Mi, 20. Juni 2018

Bodenoffensive

18.07.2014 07:00

Israel rückt in Gaza vor: Tote und Verletzte

Krieg statt Entspannung: Zehn Tage nach Beginn seiner Luftangriffe im Gazastreifen hat Israel am Donnerstagabend auch Bodentruppen in das Palästinensergebiet geschickt. Das israelische Militär sprach von einer "neuen Phase" der Operationen gegen militante Kämpfer in der Mittelmeerenklave. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden in der Nacht zum Freitag mindestens 20 Palästinenser durch Panzerbeschuss getötet, darunter ein fünf Monate altes Baby.

Bilder aus Krankenhäusern zeigten am Freitagmorgen zahlreiche bei der Bodenoffensive verletzte Palästinenser, unter ihnen auch Kinder. Im Gazastreifen hallten auch in den Morgenstunden die dumpfen Schläge der Panzergranaten, teils nur wenige Sekunden nacheinander, berichteten internationale Journalisten aus dem Krisengebiet. Die israelische Armee teilte in der Früh mit, es habe im nördlichen Abschnitt des palästinensischen Küstengebiets einen ersten Verlust auf eigener Seite gegeben.

Hamas-Infrastruktur das Ziel der Offensive
"Nach zehn Tagen mit Angriffen der Hamas aus der Luft, vom Meer und am Boden sowie wiederholten Weigerungen, die Lage zu beruhigen, hat die Armee eine Bodenoffensive im Gazastreifen begonnen", hatte das israelische Militär am Abend mitgeteilt. Wie der Armeesprecher Arye Shalikar sagte, sind die Soldaten im Norden, Süden und Osten des Gazastreifens im Einsatz. Das Ziel sei die "Infrastruktur" der Hamas. Dabei gehe es unter anderem um die Tunnel, die die Hamas als Waffenlager und für Anschläge in Israel nutzt. Die israelische Regierung gab außerdem grünes Licht für die Mobilisierung von weiteren 18.000 Reservisten. Damit können nun insgesamt rund 65.000 Reservisten eingezogen werden.

Hamas-Chef: "Bodenoffensive zum Scheitern verurteilt"
Nach Einschätzung von Hamas-Chef Khaled Mashaal ist die Bodenoffensive "zum Scheitern verurteilt". Was der "israelische Besatzer" nicht durch seine Angriffe aus der Luft und von See aus erreicht habe, werde er auch nicht durch Bodentruppen erreichen, sagte Mashaal der Nachrichtenagentur AFP. Die Hamas habe "klare Forderungen", fügte er hinzu. Israel müsse seine "Aggression" und die "kollektive Bestrafung" der Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland beenden. Auch die "Belagerung" des Gazastreifens müsse beendet werden.

Zeichen der Entspannung, doch dann wieder Gewalt
Israel hatte die Angriffe auf den palästinensischen Gazastreifen in den letzten Tagen massiv verstärkt. Artillerie, Kampfhubschrauber und Kriegsschiffe feuerten auf Ziele in den Ortschaften Beit Hanun und Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen, berichtete die Webseite "ynetnews". Augenzeugen berichteten, dass der Himmel über dem Gebiet immer wieder von Leuchtmunition erhellt wurde.

Die neue Eskalation erfolgte am Ende eines Tages, an dem es zunächst Signale der Entspannung gegeben hatte. Beide Seiten hielten eine fünfstündige humanitäre Waffenpause bis auf kleinere Brüche ein, die von UN-Organisationen vorgeschlagen worden war und dazu diente, den notleidenden Gazastreifen mit Hilfslieferungen zu versorgen. Im Hintergrund wurden auch Gespräche zwischen den Konfliktparteien unter Vermittlung der ägyptischen Regierung geführt. Diese verliefen aber vorerst ergebnislos.

UNO-General: "Für Konflikt gibt es keine militärische Lösung"
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er bedauere, dass "ein bereits gefährlicher Konflikt nun noch weiter eskaliert ist". Israel müsse nun noch "weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden". Für den Konflikt zwischen Israel und der Hamas gebe es "keine militärische Lösung". US-Außenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu, die Bodenoffensive müsse sich "zielgerichtet" gegen die Tunnel richten. Eine "weitere Eskalation" der Lage müsse vermieden und der Waffenstillstand von 2012 "so schnell wie möglich" wieder hergestellt werden.

Auch die in dem Konflikt vermittelnde ägyptische Regierung verurteilte die weitere "Eskalation" des Konflikts. In einer Mitteilung rief das Außenministerium in Kairo beide Seiten erneut dazu auf, den Vorschlag eines Waffenstillstands schnellstmöglich zu akzeptieren.

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