Schnitzler in Linz

Einsame Seelen

Einsamkeit und Tod thematisiert Arthur Schnitzler in seinem Drama „Der einsame Weg“, das am Samstag in den Linzer Kammerspielen Premiere feierte. Filmregisseur Götz Spielmann lieferte damit seine erste Theaterarbeit ab, die in einigen Bildern sehr wohl überzeugte, aber in ihrer Schnitzlerischen Ästhetik nicht berührte.

Man befindet sich unter „Menschen, die mir alle so nah sind und die doch alle von einander nichts wissen“, wie es Gabriele Wegrat ausdrückt. Ihr Sohn Felix entstammt einer vorehelichen Beziehung zum Maler Julian Fichtner. Erst nach ihrem Tod erfährt er von seinem Vater und weist ihn zurück. Seine Schwester Johanna liebt den Künstler Stephan von Sala, der in seiner Egozentrik ihre Liebe nicht erwidern kann.

Bühne (Martin Warth) und Kostüme (Alexandra Pitz) setzen diese Gefühlsarmut, die sich hinter einer ästhetischen Fassade versteckt, perfekt um. In Götz Spielmanns Inszenierung ist schnell klar, dass hier acht kranke Seelen aufeinander treffen. Im ersten Teil jedoch tun sie dies emotionslos. Erst als jeder seine Apokalypse vor Augen hat, brechen Gefühle aus. Ein Plus der Aufführung ist, dass sie Unausgesprochenes eindringlich präsent sein lässt.

Stefan Matousch als Sala verkörpert perfekt die hinter der Kultiviertheit verborgene Unfähigkeit zu lieben. Gunda Schanderer (Johanna) gibt eindringlich die dramatisch Liebende, Verena Koch überzeugt als Irene Herms, die an der Zurückweisung Fichtners (Vasilij Sotke) zerbricht. Konstantin Bühler (Felix) steigert sich im Laufe des Abends. Weiters im Reigen der Unglücklichen: Thomas Kasten, Sabine Martin (Ehepaar Wegrat) und Joachim Rathke (Arzt).

 

Aufführungen: 16., 19., 23., 26., 30. Jänner, 19.30 Uhr

 

 

Foto: Christian Brachwitz (Landestheater)

Sonntag, 28. Februar 2021
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