14.02.2006 16:40 |

Hungerstreik

Saddam-Prozess wieder vertagt

Der Prozess gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein ist am Dienstag auf den 28. Februar vertagt worden. Saddam hatte zuvor vor dem Sondertribunal in Bagdad erneut gegen das nach seiner Ansicht illegale Verfahren protestiert. Er und sieben Mitangeklagte, unter ihnen auch sein Halbbruder Barsan Ibrahim, hätten seit drei Tagen aus Protest nichts gegessen, sagte er.

Saddam ist wegen eines Massakers an Schiiten vor 24 Jahren angeklagt. Im Fall einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Der Prozess hatte Mitte Oktober begonnen. Mit dem Hungerstreik wollen die Angeklagten gegen den neuen Richter Rauf Abdel-Rahman protestieren, der den Prozess seit kurzem leitet.

"Lang leben die Mujaheddin"
Zum Auftakt der Sitzung lieferte sich Saddam Hussein ein hitziges Wortgefecht mit dem Richter. "Lang leben die Mujaheddin" rief er, und brachte damit seine Unterstützung für die Aufständischen im Irak zu Ausdruck. Sein Halbbruder Ibrahim erschien den zweiten Tag in Folge in langen Unterhosen. Der Ex-Geheimdienstchef machte bei der Fortsetzung des Prozesses erstmals konkrete Aussagen zu seiner Verteidigung. Er habe nach Razzien infolge eines fehlgeschlagenen Attentats auf Saddam Hussein 1982 "dutzende Häftlinge freigelassen", sagte er.

Bei Bombenanschlägen und Mörserangriffen wurden am Dienstag unterdessen mindestens zwölf Menschen verletzt. Am Morgen explodierte eine Bombe in der Nähe einer Polizeipatrouille und verletzte zwei Beamte im Stadtteil Dora. Wenig später geriet eine weitere Patrouille in Karrada unter Mörserbeschuss, wie die Behörden erklärten.