Sa, 23. Juni 2018

Akten verschwunden

06.07.2014 17:16

London: Vertuschung im Kinderschänder-Skandal?

Der Skandal um einen mutmaßlichen Kinderschänderring im britischen Parlament in den 1980er-Jahren zieht immer weitere Kreise: Am Sonntag wurde bekannt, dass massenhaft Akten zu den Vorwürfen im Innenministerium nicht mehr auffindbar sind. Der Labour-Abgeordnete Keith Vaz sprach von einem "Aktenverlust von industriellem Ausmaß". Damit nicht genug, sieht sich der damalige Innenminister, Lord Leon Brittan, selbst mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert.

Nach einem Bericht des "Telegraph" vom Samstag stehen mehr als zehn ehemalige oder noch amtierende Politiker des britischen Parlaments unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs (siehe Story in der Infobox). Die Polizei ermittelt in vier Fällen. Weitere 20 Politiker aus beiden Häusern des britischen Parlaments sollen von dem Missbrauch gewusst und die Vorgänge verschwiegen haben, berichtete die Zeitung.

"Observer": Establishment kehrte Vorgänge unter den Teppich
Die Sonntagszeitung "Observer" berichtete, das Establishment habe die Vorgänge, die mehr als 30 Jahre zurückliegen, unter den Teppich gekehrt. Nach Eingeständnis des Innenministeriums "verschwanden" 114 von 527 Akten mit Bezug zu den Vorwürfen. Der Abgeordnete Geoffrey Dickens hatte das Dossier 1983 an den damaligen Innenminister Brittan übergeben. Der Inhalt würde "mächtige und berühmte" Kinderschänder entlarven, soll Dickens vor seinem Tod 1995 gesagt haben.

Ex-Innenminister im Visier der Ermittler
Ausgerechnet Lord Brittan geriet in Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal nun selbst in die Schlagzeilen. Nach Informationen der "Mail on Sunday" war Brittan bereits im Juni wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung eines Teenagers im Jahr 1967 verhört worden. Ein Sprecher sagte am Sonntag, der heute 74-Jährige Lord werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Nach Presseberichten bestreitet er die Anschuldigungen vehement. Brittan war von 1983 bis 1985 Innenminister in der Regierung von Margaret Thatcher und ging später als EU-Kommissar nach Brüssel.

Alle Zeichen stehen auf Sturm
Premierminister David Cameron ordnete mittlerweile eine Überprüfung der Vorgänge durch einen unabhängigen Rechtsexperten an. Schon bald dürfte die Öffentlichkeit mehr darüber erfahren, was in den Hinterzimmern und Pubs im Regierungsviertel von Westminster in Sachen Missbrauch wirklich geschah. Die Informationen kommen nur stückchenweise ans Licht, doch die Zeichen stehen auf Sturm.

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