Fr, 22. Juni 2018

Steinzeit-Handel

02.07.2014 10:09

Bayrische Feuersteine waren echte "Exportschlager"

Archäologische Funde im Mühlviertel beweisen, dass die Donau bereits in der Steinzeit ein wichtiger Handelsweg für Feuersteine war. Sammler entdeckten nahe der Schlögener Schlinge zuletzt die Überreste der bayrischen Chamer-Kultur. Sie belegten regen Feuersteinhandel mit Süddeutschland, sagt der Geoarchäologe Alexander Binsteiner. Die bayrischen Steine dürften regelrechte "Exportschlager" gewesen sein.

In Bayern gab es in der Steinzeit mit Arnhofen, Baiersdorf und Flintsbach drei große Abbaugebiete, aus denen Jahrtausende lang Feuerstein auch nach Oberösterreich "exportiert" wurde. Die Bandkeramiker im Donauraum rund um Linz (6000 v. Chr.) bezogen etwa die Hälfte ihres Bedarfs von dort, die Mondsee-Kultur (4000 v. Chr.) ein Drittel, die Mühlviertler Ausläufer der vor allem in Süddeutschland ansässigen Chamer (3000 v. Chr.) immer noch bis zu einem Viertel. Das heutige Bayern kann also durchaus als prähistorischer Marktführer bezeichnet werden.

Binsteiner arbeitet an einer Materialaufnahme bayrischer Feuersteine in Oberösterreich. Eine Studie dazu soll im kommenden Jahr publiziert werden. Aus den bisherigen Ergebnissen sind die Verteilungswege des steinzeitlichen Exportschlagers - vom Abbau bis zum Endverbraucher - ablesbar. Dabei kristallisiert sich immer deutlicher die Donau als zentraler Handelsweg heraus. Einen wichtigen Puzzlestein lieferten die beiden Hobby-Archäologen Gernot Krondorfer und Erwin Lindorfer, die im Lauf der vergangenen zehn Jahre in Hofkirchen und Niederkappel (beide Bezirk Rohrbach) neun ehemalige Siedlungsflächen der Chamer entdeckten.

Chamer siedelten in Österreich und trieben Handel
Die Chamer waren Viehzüchter, die im heutigen Bayern siedelten, mit Ausläufern ins Pilsener Becken oder auch ins Mühlviertel. Eindeutig identifizierbar sind sie an ihrer Keramik, die sich durch gestochene Muster und charakteristische girlandenartige Verzierungen auszeichnet. Sie sind wahrscheinlich auf der Suche nach Siedlungsflächen über die Donau nach Oberösterreich gekommen. Später nutzten sie den Wasserweg, um mit ihrer alten Heimat Handel zu treiben.

Je 50 bis 100 Leute dürften im Mühlviertel pro Siedlung in Hütten gelebt haben. Experten wie Binsteiner können die dort gefundenen Feuerstein-Produkte und Steinmetz-Abfälle eindeutig den Abbaugebieten zuordnen und so regelmäßige Handelskontakte dorthin nachweisen. Es zeigte sich auch, dass Steine aus Arnhofen und Baiersdorf meist schon verarbeitet nach Oberösterreich kamen, während aus Flintsbach die Rohknollen importiert wurden. Sie wurden offenbar äußerst hoch geschätzt, denn sie fanden vor allem für schön gearbeitete Messer oder Pfeilspitzen Verwendung.

"Stahl der Steinzeit"
Der Feuerstein war laut Binsteiner "der Stahl der Steinzeit", aus dem alles gefertigt wurde, was zum Schneiden oder Stechen benötigt wurde. Ob fahrende Händler das Material gebracht haben, ob man sich in der Mitte - etwa auf Märkten - getroffen hat oder ob es Rohstoffexpeditionen von Oberösterreich nach Bayern gab, weiß man nicht. Zum Transport wurden ziemlich sicher Einbäume benutzt.

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