Sa, 23. Juni 2018

Hält das Gehirn warm

01.07.2014 17:00

Spezielles Organ lässt Teufelsrochen tief tauchen

Teufelsrochen tauchen viel tiefer als bisher gedacht. Dabei nutzen sie wahrscheinlich ein besonderes Organ, ein ganz spezielles Blutgefäßgeflecht, das ihr Hirn warm und somit funktionsfähig hält. Das berichten Biologen, die die Tiere mithilfe von Satellitensendern in den Flossen neun Monate lang beobachtet hatten.

Im Rahmen ihrer Untersuchung entdeckten die Wissenschaftler, dass die Rochen gar nicht immer nahe der Wasseroberfläche sind, wie bisher angenommen wurde. "Unsere Daten offenbarten, dass einzelne Tiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Metern pro Sekunde in Tiefen von fast 2.000 Metern tauchten, wo die Wassertemperatur rund vier Grad Celsius beträgt", schreiben die Forscher im Fachjournal "Nature Communications". Sie hatten 15 Teufelsrochen der Art Mobula tarapacana im Nordatlantik nahe den portugiesischen Azoren-Inseln bis zu neun Monate lang verfolgt.

Blutgefäßgeflecht wärmt das Gehirn
Das spezielle Organ, das den Teufelsrochen beim Tauchen hilft, ist ein sogenanntes Wundernetz, auch Rete mirabile genannt: Eine Arterie verzweigt sich in viele kleinste Arterien und diese vereinigen sich dann wieder zu einer Arterie - statt wie üblich zu einer Vene. So wird an einer bestimmten Stelle Wärme ausgetauscht und das Blut fließt auch hinter dem feinen Geflecht weiter vom Herzen weg statt zum Herzen hin.

Dass Teufelsrochen solche Wundergeflechte am Gehirn haben, wussten die Biologen bereits. "Aber wir dachten, dass das Schädel-Wundergeflecht das Gehirn kühlt statt wärmt, weil diese Rochen bekannt dafür sind, sich an der Oberfläche von tropischen Gewässern zu sonnen", schreibt das Team um Simon Thorrold von der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA.

Tiere heizen sich im warmen Wasser auf
Doch nun stellten die Forscher fest: Das Blutgefäßgeflecht ist wohl nicht dazu da, das Gehirn zu kühlen, wenn ein Tier sich im warmen Oberflächenwasser aufheizt - sondern es soll das Gehirn wärmen, wenn das Tier in die kalte Tiefe schwimmt.

Dort unten gebe es wohl viel Nahrung für die Rochen, vermuten die Biologen. Und das wärmende Geflecht von kleinen Arterien sei bei der Nahrungssuche von Vorteil: Es halte das Gehirn warm, damit es besser arbeiten kann und auch die Sehschärfe nicht nachlässt. Dazu passe auch eine andere Beobachtung, so die Forscher weiter: Vor und nach den tiefen Tauchgängen verbrachten die Rochen besonders viel Zeit in der Nähe der Wasseroberfläche, vor allem am Tag - wohl um sich aufzuwärmen.

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