20.06.2014 07:39 |

Propaganda-Offensive

WM und Kino: Armee kämpft um Gunst der Thailänder

Tanzende Soldatinnen, kostenlose Friseurbesuche und viel Fußball: Thailands Armee versucht nach ihrem Putsch vor rund einem Monat, die Bevölkerung mit einer Charme-Offensive auf ihre Seite zu ziehen. Ziel der Propaganda ist, das "Volk wieder glücklich" zu machen. Außerdem möchte sich die Armee als Freund und Helfer der Menschen darstellen.
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Ein Machtkampf zwischen der Regierung und ihren Gegnern hatte das Land sechs Monate fast lahmgelegt. Ohne Aussicht auf eine Lösung stürzte Armeechef Prayuth Chan-ocha vor rund einem Monat die gewählte Regierung. Der Putsch war unblutig, es gab keine Panzer auf den Straßen. Seitdem tut Prayuth alles, um sich beim Volk einzuschmeicheln. Die nächtliche Ausgangssperre wurde nach drei Wochen aufgehoben - und eine Reihe von Propagandamaßnahmen wurden gestartet.

Kritiker ätzen: "Wie in Nordkorea"
Am Wochenende sind die Kinosäle zum Bersten gefüllt. Es ist nicht der neueste Tom-Cruise-Streifen, der die Leute vor die Leinwand lockt, sondern ein heimischer Historienschinken über glorreiche Schlachten. Der Eintritt ist frei, die Militärjunta lässt grüßen. Bei Musikfestivals im ganzen Land geben Soldaten die DJs. Von wegen Marschmusik: Es gibt Popmusik, Soldatinnen rocken rhythmisch auf der Bühne. "Wie in Nordkorea", ätzt jemand auf Twitter und lädt Fotos tanzender Soldatinnen aus beiden Ländern hoch.

"Happy Haarschnitt" gibt es an Armeeständen auch - und zwar gratis. Den größten Coup landet die Junta aber zur Fußball-WM: Alle Spiele gibt es live im öffentlichen Fernsehen. Dafür macht sie neun Millionen Euro locker und zahlte den TV-Anbieter aus, der die Übertragungsrechte hatte.

Der Karikaturist Stephff zeichnet Prayuth mit einem Fußball am Band, mit dem er einen Elefanten, das Wahrzeichen Thailands, hypnotisiert. "Du bist glücklich, du bist sehr glücklich...", beschwört Prayuth das Tier. Eine andere Karikatur sieht aus wie das berühmte Foto in der Nähe des Tiananmen-Platzes 1989, wo ein Mann einsam einem Panzer entgegentritt. In der Karikatur brüllt ein fröhlicher thailändischer Soldat aus dem Panzerausguck: "Wir tolerieren kein Unglücklichsein!"

Experte ortet "Methoden des Kalten Krieges"
"Alles nur vorübergehend", beteuert Prayuth. "Wir werden das Volk nicht total verwöhnen." Aber Politik-Professor Thitinan Pongsudhirak ist skeptisch: "Das sind typische Methoden aus der Ära des Kalten Krieges, um Leute für sich einzunehmen. Ob das 2014 fruchtet, wo die Probleme und Erwartungen ganz anders liegen, bleibt abzuwarten."

Die Armee tischt aber auch Handfestes auf. Zwei Milliarden Euro für die Reisbauern, deren Bezahlung im politischen Machtkampf auf der Strecke blieb, ein Ende der Taximafia mit überhöhten Preisen am Flughafen, eine Kampagne gegen Drogendealer und Wucherzinsen.

Drei Finger in die Höhe zu strecken, ist verboten
Wer mit den Beglückungsaktionen Probleme hat, bekommt Probleme. Rund 300 kritische Politiker, Aktivisten, Journalisten wurden einbestellt. Wie im Film "Hunger Games" drei Finger in die Höhe recken - ein Zeichen der Putschkritiker -, das hat die Armee für illegal erklärt.

Wer festgenommen wird, wird einem "Prozess der Einstellungsänderung" unterzogen, wie ein Vizepolizeichef Reportern sagt. Natürlich gebe es Widerstand, sagt Pravit Rojanaphruk, ein prominenter Kommentator, der sieben Tage in Militärgewahrsam war. Es traue sich nur noch kaum jemand, das offen zu zeigen. "Die Junta gräbt ihr eigenes Grab, wenn sie meint, sie könnte Gleichförmigkeit der Gedanken und Gefühle erzwingen", schreibt die Zeitung "Nation" in einem Kommentar.

Armeechef hat Song komponiert
Prayuth wagt sich indes unter die Dichter. Er hat einen Song komponiert, der sein wöchentliches Fernsehprogramm untermalt. "Wir bringen Thailand Frieden zurück" heißt das Werk. "Wir schützen euch von ganzem Herzen", schmalzt der unbekannte Sänger.

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