Rund 100 Lemuren-Arten leben auf Madagaskar, sie stellen damit mehr als 20 Prozent aller Primatenarten. Doch der Lebensraum der Tiere - tropische und suptropische Wälder - wird immer kleiner. Nur mehr zehn bis 20 Prozent der ursprünglichen Wälder sei noch intakt, schreiben die Forscher in "Science", darunter die Kanadierin Marni LaFleur vom Institut für Populationsgenetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
94 Prozent der Lemuren-Arten gefährdet
Vor allem in den vergangenen Jahren mit politischen Unruhen seien viele Schutzgebiete verschwunden. Die Konsequenz: Laut Weltnaturschutzunion IUCN gelten mittlerweile 94 Prozent der Lemuren-Arten als gefährdet, 2008 waren es erst 74 Prozent.
Doch die Lemuren haben eine wichtige ökologische Rolle, ihr Aussterben würde eine Kaskade weiterer Artenverluste nach sich ziehen, warnen die Forscher. So hängen Raubtiere wie die Madagaskarhöhlenweihe oder die Fossa von den Lemuren ab, diese sorgen auch für die Verteilung von Pflanzensamen, so LaFleur.
"Verlust einer ganzen Primaten-Unterordnung droht"
Auch der Hauptautor des "Science"-Artikels, Christoph Schwitzer von der Bristol Zoological Society (Großbritannien), warnt: "Wenn wir nicht sofort handeln, riskieren wir den Verlust einer ganzen Unterordnung von Primaten." Er verweist aber auch auf die wirtschaftliche Rolle der zur Gruppe der Feuchtnasenaffen zählenden Primaten: "Lemuren ziehen Touristen an, die auf der Insel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden sind."
Nach Ansicht der Forscher könnten mit vergleichsweise geringen Mittel in Höhe von 7,6 Millionen Dollar zahlreiche Lebensräume geschützt werden. In ihrem Notfallplan schlagen sie Schutzmaßnahmen für 30 Gebiete vor, in denen gefährdete Lemurenarten leben. Als weitere Maßnahmen empfehlen sie einen Ausbau des Ökotourismus und den Aufbau von Forschungsstationen vor allem in den gefährdeten Gebieten. Der Tourismus würde der lokalen Bevölkerung eine Lebensgrundlage bieten und die ständige Anwesenheit von Wissenschaftern illegale Jagd und Abholzungen verhindern. Zudem sollte das Management von Schutzgebieten verbessert werden.











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