Krebsforschung

Protein könnte Metastasen-Bekämpfung erleichtern

Wissen
19.02.2014 19:00
Bei Krebsleiden machen die als Metastasen bezeichneten Tochtergeschwülste die Krankheit unheilbar. Sie sind oft auch die Todesursache. Wissenschaftler am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien haben jetzt einen bisher nicht bekannten Kontrollmechanismus für Metastasen entdeckt. Er könnte ein Ziel für zukünftige Therapien werden, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Instituts.

Die Studie in Zusammenarbeit der Erstautorin vom Wiener IMBA, Magdalena Paolino, und Wissenschaftlern aus Australien und Deutschland ist jetzt in der Fachzeitschrift "Nature" erschienen. Dabei wurde gezeigt, dass das Protein Cbl-b eine Art molekulare Bremse für Immunzellen darstellt. Löst man diese Bremse, können die sogenannten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) Tumormetastasen hocheffektiv bekämpfen.

"Wenn wir Cbl-b in den NK-Zellen abschalten, werden diese sozusagen scharfgestellt und reduzieren signifikant Metastasen von Brusttumoren und Melanomen", stellte Magdalena Paolino fest. Bisher war bereits bekannt, dass Cbl-b die Aktivität von T-Lymphozyten hemmt und als Krebsgen-Vorläufer fungieren kann.

"Bremse" bei natürlichen Killerzellen
Den Forschern ist es laut ihrer Studie gelungen, einen Pfad zu identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der NK-Zellen reguliert. Gemeinsam mit dem Lead Discovery Center (Zentrum zur Entdeckung von Leitsubstanzen für eine mögliche Weiterentwicklung für Medikamente) der Max-Planck-Gesellschaft in Dortmund, haben sie ein Molekül entwickelt, dass die dafür verantwortlichen Rezeptoren blockiert.

"Cbl-b wirkt über die sogenannten TAM-Rezeptoren wie eine molekulare Bremse auf die NK-Zellen. Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül - oral verabreicht oder als Injektion - gezielt blockieren, werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert", erklärt Magdalena Paolino.

Mehr als 50 Jahre altes Rätsel gelöst
Die Wissenschaftler konnten in ihrer Arbeit auch ein mehr als 50 Jahre altes Rätsel in der Krebstherapie lösen. Seit Langem war bekannt, dass Warfarin - der weltweit am häufigsten eingesetzte orale Blutgerinnungshemmer - Tumormetastasen in Modellsystemen reduziert. Der dem zugrunde liegende Mechanismus war bis dato jedoch unklar. "Unsere Erkenntnisse zeigen, dass der anti-metastatische Effekt von Warfarin durch die Inhibierung unseres neu entdeckten Cbl-b/TAM Signalweges in NK-Zellen erklärt werden kann. Dieses Ergebnis liefert einen Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin K-Antagonisten erneut zu überdenken", erklärte die Wissenschaftlerin.

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