Britische Studie

Lottogewinn macht Menschen extrem konservativ

Wissenschaft
06.02.2014 15:46
"Geld verdirbt den Charakter", heißt es bekanntlich oft. Dass Geld den Menschen zumindest in seiner politischen Einstellung prägt, haben nun englische Wissenschaftler nachgewiesen, die das Wahlverhalten von Lottogewinnern genauer unter die Lupe nahmen.

Ein Team um Andrew Oswald von der Universität von Warwick untersuchte für seine Studie britische Lottospieler. Das überraschende Resultat: Zuvor eher linksorientierte Spieler würden nach einem Gewinn "stock-konservativ und unsolidarisch". Bisher analysierte Datensätze hätten bei reicheren Menschen bereits politische Einstellungen gezeigt, die mehr nach rechts wiesen, jetzt habe man aber auch den Effekt von zugewonnenem Geld belegen können, so die Forscher.

"Geschöpf mit biegsamer Moral"
"In der Wahlzelle wirft eigennütziges finanzielles Interesse einen langen Schatten. Auch wenn die Menschen betonen, dass sie aus intellektuellen Gründen für niedrige Steuern stimmen. Unsere Studie gibt empirische Hinweise darauf, dass Wahlentscheidungen aus Eigennutz getroffen werden", erklärte Oswald. "Wir wissen nicht genau, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Aber es sieht so aus, als würde Geldbesitz die Menschen zum Präferieren von konservativen, stock-rechten Ideen bringen. Der Mensch ist offenbar ein Geschöpf mit biegsamer Moral", bringt es Co-Autor Nick Powdthavee auf den Punkt.

Für die Studie haben die Forscher die Daten von in Großbritannien seit 1991 jährlich zwischen September und Weihnachten unter 25.000 Erwachsenen durchgeführten Haushaltsumfragen analysiert. Seit 1997 werden dabei auch die Spielgewohnheiten und -Erfahrungen der wettbegeisterten Briten abgefragt. "Unser Haupt-Sample umfasste Lotterie-Gewinner im Jahr des Gewinns, die entweder angaben, die Labour Party oder die Conservative Party zu unterstützen. Daraus ergaben sich 9.003 Datensätze von 4.277 Personen."

Lottogewinn macht "stock-konservativ"
Die Analyse nach der Veränderung der politischen Einstellung mit und ohne Gewinn im Lotto erbrachte ein frappierendes Ergebnis: Nicht-Lottospieler und Nicht-Gewinner, die noch nie konservativ gewählt hatten, freundeten sich zu 13 Prozent mit den Konservativen an. Ein Lottogewinn zwischen einem und 499 Pfund ließ 14 Prozent "rechts" fühlen. Die "Glücklichen" mit mehr als 500 Pfund Zugewinn aber neigten um fünf Prozentpunkte häufiger (knapp 18 Prozent) zu später "stock-konservativem" Verhalten.

"Der Unterschied zwischen Nichtgewinnern und Gewinnern beträgt etwa fünf Prozentpunkte", so Studienleiter Oswald. Freilich, es könnte auch einen Schwellenwert geben, ab dem dann die Super-Reichen wieder philanthropisch oder gar politisch progressiv werden. Bill und Melinda Gates haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren Milliarden-Dollar-Summen ihres Vermögens für gute Zwecke gespendet. Das sei aber auf diese Weise statistisch nicht zu belegen, meinen die englischen Forscher, denn dazu gebe es einfach zu wenige Lotterie-Supergewinner.

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