Do, 19. Juli 2018

Im Labor klappt es

30.01.2014 10:42

Erstmals Haut mit Blut- und Lymphgefäßen gezüchtet

Schweizer Forschern ist es jetzt erstmals gelungen, im Labor Hautzellen zu züchten, die Blut- und Lymphgefäße enthalten. Sie isolierten dazu aus menschlicher Haut alle notwendigen Typen von Hautzellen und stellten damit einen der Vollhaut ähnlichen Hautersatz her. Dadurch könne das Einheilen eines solchen Hautersatzes entscheidend verbessert werden, so die Mediziner.

Weltweit erleiden jährlich rund elf Millionen Menschen schwere Verbrennungen. Die dabei entstehenden Wunden heilen nur langsam und es bleiben lebenslange Narben. Um die Vernarbung möglichst zu reduzieren, bedarf es der Transplantation von Haut, die aber nur in gegrenzten Ausmaß entnommen werden kann, da der Eingriff wiederum neue Wunden verursacht.

Eine Möglichkeit neben der gängigen Hauttransplantation ist, im Labor einen Hautersatz herzustellen, der sich einerseits aus den Zellen des Patienten zusammensetzt und andererseits der natürlichen menschlichen Haut sehr nahe kommt. Allerdings enthielten diese sogenannten Hautsubstitute bis dato weder Blut- und Lymphgefässe noch Schweißdrüsen oder Haarfollikel und auch keine Nerven.

Haut mit Blut- und Lymphgefässen erzeugt
Jetzt konnten Wissenschaftler des Kinderspitals Zürich und der Universität Zürich erstmals ein komplexeres Organ zusammensetzen: "Es ist uns gelungen, alle nötigen Hautzellen aus einer menschlichen Hautprobe zu isolieren und daraus ein der Vollhaut ähnliches Hautsubstitut herzustellen, das erstmals auch Blut- und Lymphgefässe enthält", sagt Martin Meuli, Leiter der Chirurgischen Klinik am Kinderspital Zürich.

Die fehlenden Lymphgefäße waren bisher ein ungelöstes Problem in der regenerativen Medizin, denn bei Verwundungen tritt Gewebsflüssigkeit aus, die sich in einem Hohlraum an der Hautoberfläche ansammelt und die Wundheilung stören kann. Lymphgefäße lassen diese Flüssigkeit wieder abfließen.

"Lymphgefäße waren funktionell"
Zur Überraschung der Forscher arrangierten sich die aus der menschlichen Unterhaut isolierten, einzelnen Lymphgefäßzellen im Labor spontan zu funktionsfähigen Lymphkapillaren. Und wie die auf dieselbe Art und Weise gewonnen Blutkapillaren verbanden sich die Lymphkapillaren mit denen der Versuchstiere. "Neu ist, dass die Lymphgefäße Gewebsflüssigkeit sammelten und transportierten, sie waren also funktionell", erklärt Ernst Reichmann, Leiter der Tissue Biology Research Unit an der Universität Zürich.

Die Forscher gehen davon aus, dass mit Lymph- und Blutgefäßen versehene Hautsubstitute in Zukunft sowohl die Ansammlung von Gewebsflüssigkeit verhindern als auch eine rasche Blutversorgung des Transplantats gewährleisten werden. Dadurch könne das Einheilen und die organtypische Struktur eines solchen Hautersatzes entscheidend verbessert werden.

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