Fall schockt GB

Drei Frauen 30 Jahre lang wie Sklaven gehalten

Ausland
22.11.2013 07:05
In Großbritannien sind drei Frauen jahrezehntelang gegen ihren Willen in einem Haus in "Sklaverei" gehalten worden. Die Polizei in London teilte am Donnerstag mit, die traumatisierten Opfer, eine 69-Jährige aus Malaysia, eine 57-jährige Irin und eine 30-jährige Britin - die laut den Ermittlern "ihr Leben lang" in Gefangenschaft war -, seien in Sicherheit gebracht worden. Zwei Verdächtigte wurden festgenommen, nach ihrer Befragung jedoch auf Kaution wieder freigelassen.

Hinter den Mauern eines Hauses im Londoner Stadtteil Lambeth hat sich in den vergangenen Jahrzehnten offenbar eine menschliche Tragödie unbeschreiblichen Ausmaßes abgespielt. Ein 67-jähriger Mann und seine gleichaltrige Partnerin sollen die drei Frauen als "Haussklavinnen" gehalten haben, berichtete die britische Tageszeitung "Daily Mail" auf ihrer Website.

Britin war "ganzes Leben in Knechtschaft"
Das jüngste Opfer, eine 30 Jahre alte Britin, "hatte keinen Kontakt mit der Außenwelt", zitierte das Blatt einen mit dem Fall betrauten Polizisten. Sie dürfte, so der schreckliche Verdacht, in Gefangenschaft geboren worden sein. "Wir wissen nicht, wo sie geboren wurde, aber sie scheint ihr ganzes Leben in Knechtschaft gewesen zu sein", sagte Ermittler Kevin Hyland von Scotland Yard am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz.

Angaben darüber, wie die Opfer in die Fänge ihrer Peinigen geraten waren oder wer die Eltern der jungen Frau sind, machte die Polizei vorerst keine. Alle drei Opfer seien sowohl psychisch als auch physisch missbraucht worden, Hinweise auf sexuelle Übergriffe gebe es jedoch nicht, hieß es.

Fall durch TV-Doku aufgeflogen
Die Organisation Freedom Charity, die gegen Sklaverei und Zwangsehen kämpft, hatte die Polizei auf das Schicksal der Frauen aufmerksam gemacht. Das jüngste Opfer habe im Oktober bei der Organisation angerufen, teilte die Polizei mit. Die Frau war demnach durch einen Dokumentarfilm über Zwangsehen im Fernsehen auf Freedom Charity aufmerksam geworden.

Die 30-Jährige erklärte gegenüber der Organisation, mehr als 30 Jahre lang festgehalten worden zu sein. Es sei sehr schwierig gewesen, aber man habe mit den Opfern Telefongespräche zu vereinbarten Zeiten führen können. "Wir begannen intensive Gespräche mit ihnen. Sie gaben uns Zeitpunkte an, zu denen wir mit ihnen sprechen konnten", sagte Aneeta Prem, Gründerin von Freedom Charity, gegenüber dem Nachrichtensender SkyNews.

"Etwas von diesem Ausmaß haben wir bisher nicht gesehen"
Die Befreiung der Frauen war offenbar minutiös geplant. "Es war geplant, dass sie das Gebäude verlassen sollten", sagte Prem. Die Polizei habe sich in der Nähe bereitgehalten. Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstagabend, die Freilassung habe "zwischen Oktober und jetzt" stattgefunden. Das vom "Guardian" genannte Datum 25. Oktober bestätigte er jedoch nicht. "Sie sind in der Obhut einer Organisation, die sich mit tief traumatisierten Menschen auskennt", hielt sich auch Ermittler Hyland mit Details bedeckt. "Etwas von diesem Ausmaß haben wir bisher nicht gesehen."

Prem zufolge mussten die drei Frauen als Haushaltshilfen für das Paar, das sich als "Familienoberhäupter" präsentierte, arbeiten. Die Opfer seien von den Hausbesitzern völlig eingeschüchtert worden und durften das Gebäude nicht verlassen. "Sie hatten den Eindruck, in großer Gefahr zu sein", betonte sie.

Bei dem verhafteten 67-Jährigen und seiner Lebensgefährtin handelt es sich offenbar nicht um wohlhabende Briten, die Adresse sei "ein normales Haus in einer normalen Straße", wie die Gründerin von Freedom Charity weiter erklärte. Die Nachbarn dürften nichts von den Vorgängen in dem Haus mitbekommen haben.

Fall weckt Erinnerungen an Cleveland-Drama
Das Drama weckt Erinnerungen an Cleveland in den USA. Dort wurden im Mai drei Frauen aus den Fängen des Entführers Ariel Castro befreit, der sie rund ein Jahrzehnt lang in seinem Haus eingesperrt, misshandelt und vergewaltigt hatte. Eines der Opfer konnte schließlich fliehen. Anfang August wurde der 53-jährige Peiniger der Frauen zu lebenslanger Haft plus tausend Jahre verurteilt. Einen Monat später wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

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