Agent, Extremist?
So tickt der mysteriöse Schütze von Paris
Von einem "faschistischen Komplott", den "Verbrechen des Kapitalismus" sowie der "Manipulation der Massen" durch "die Medien" sei darin die Rede, wie der Pariser Staatsanwalt Francois Molins sagte. In einem anderen Text breitet sich Dekhar über die Konflikte in der arabischen Welt aus.
Schütze wollte sich mit Medikamenten Leben nehmen
"Halb bewusstlos" wurde der 48-jährige Dekhar am Mittwochabend in einem Auto in einer Tiefgarage in Bois-Colombes nordwestlich von Paris aufgefunden. Mit Medikamenten wollte er sich laut Innenminister Manuel Valls offenbar das Leben nehmen.
Weil er sich Valls zufolge in den vergangenen Jahren "wahrscheinlich im Ausland" aufhielt, vermutlich in Großbritannien, hatte ihn die französische Polizei bei ihrer Großfahndung nicht auf ihrem Radar. Erst der Hinweis eines Bekannten, bei dem Dekhar von Zeit zu Zeit wohnte, brachte die Ermittler auf seine Spur.
Dekhar war bereits 1998 wegen eines anderen Kriminalfalls zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Damals wurde er verdächtigt, der "dritte Mann" im Fall Rey-Maupin zu sein, der Frankreich im Oktober 1994 erschütterte. Das junge Studentenpaar Florence Rey und Audry Maupin hatte nach einem missglückten Überfall, durch den sie sich Waffen besorgen wollten, drei Polizisten und einen Taxifahrer erschossen. Maupin wiederum starb durch Kugeln der Polizei.
Gutachten attestierte "Tendenz zu fabulieren"
In einem psychiatrischen Gutachten wurde kein "Anflug von Wahnsinn" bei dem in Ostfrankreich geborenen Dekhar festgestellt, wie Molins versicherte - lediglich eine "Tendenz zu fabulieren".
Während des Prozesses gegen Rey, die nie eine Erklärung zu den Hintergründen ihrer Bluttat abgab und 2009 nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis kam, versuchte Dekhar erfolglos, das Gericht von seiner Geheimdiensttätigkeit zu überzeugen. Er habe im Auftrag des algerischen Geheimdienstes die linke autonome Szene unterwandern sollen, um mögliche Aktivisten mit Verbindungen zu algerischen Fundamentalisten ausfindig zu machen, sagte er.
Nach 1998 von Bildfläche verschwunden
Dekhar konnte damals nicht nachgewiesen werden, dass er an dem Überfall beteiligt war. Er wurde aber zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den beiden ein Gewehr besorgt hatte. Im Oktober 1998 kam er im Alter von 33 Jahren frei. Danach ist wenig über den Werdegang des Mannes bekannt, der nun 15 Jahre später in Paris um sich schoss.
Ehemalige Anwältin: "Rätselhafter, seltsamer Mann"
Noch heute räumt Dekhars damalige Anwältin Emmanuelle Hauser-Phelizon ein, dass sie ihren "geheimnistuerischen" Mandanten nie wirklich durchschaut habe, der auch behauptet habe, Agent des französischen Geheimdienstes zu sein: "Das ist ein rätselhafter, seltsamer Mann. Ich habe nie genau gewusst, wer er ist."












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