Entdeckung in Tibet

Forscher finden bislang ältestes Großkatzen-Fossil

Wissen
13.11.2013 01:01
Im Hochland von Tibet haben Forscher das bis dato älteste Fossil einer Großkatze entdeckt. Ein Team um den US-Paläontologen Jack Tseng, das die Überreste des Schädels bereits 2010 fand, berichtet über die Erkenntnisse jetzt im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B". Ihren Untersuchungen zufolge ist das Tier namens Panthera blytheae 4,1 bis 5,95 Millionen Jahre alt.

Über die Entstehungsgeschichte der Großkatzen weiß man relativ wenig. Die bisher ältesten fossilen Überreste waren 3,6 Millionen Jahre alte Zahnfragmente aus Tansania, die die britische Forscherin Mary Leakey bereits in den 1970er-Jahren ausgrub. Genetische Analysen deuteten lange daraufhin, dass sich die Unterfamilie der Großkatzen (Pantherinae) vor knapp 6,37 Millionen Jahren von ihren evolutionär nächsten Verwandten, den Kleinkatzen (Felinae), abspaltete.

Neue Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte
"Unser Fund deutet darauf hin, dass der evolutionäre Ursprung der Großkatzen früher liegt als bisher angenommen", so die Wissenschaftler nun. "Das Fossil schließt eine große Lücke in der Evolutionsgeschichte der Katzen", schreibt Tseng vom Amerikanischen Naturkundemuseum in New York.

Über die Aufspaltung der Großkatzen-Familie in die Gattung der "Eigentlichen Großkatzen" (Panthera) - Tiger, Jaguar, Löwe und Leopard - und die der Neofelis (Nebelparder) liefert die Entdeckung ebenfalls neue Erkenntnisse. Bisher ging man davon aus, dass die Trennung der Gattung nicht länger als 3,72 Millionen Jahren zurückliegt. Diese Annahme konnten Tseng und sein Team jetzt widerlegen.

Großkatzen breiteten sich von Zentralasien aus
Auch die geografische Lage des Fundorts ist für die Wissenschaftler interessant. Die Lebensräume vieler heutiger Großkatzenarten überlappen sich im tibetischen Hochland. "Der Fundort legt nahe, dass sich die Großkatzen von Zentralasien aus ausgebreitet haben", erläutern die Forscher. Um noch mehr Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte der Katzen zu sammeln, wird es im nächsten Jahr weitere Expeditionen in die Region geben.

Das Bild zeigt, wie die Großkatze Panthera blytheae vermutlich ausgesehen hat, das kleine Bild eine digitale Rekonstruktion des Schädels des Tieres.

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