Es gibt allerdings bis jetzt keine Anzeichen, dass Microsoft auf die Wünsche der Investoren eingeht, die zusammen über fünf Prozent der Aktien halten. Offen ist auch, wie sie genau ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollen. Von anderen Anteilseignern kamen gemischte Signale. "Das ist lange überfällig", sagte Todd Lowenstein, Portfoliomanager von HighMark Capital Management. Der Konzern habe frischen Wind nötig. Kim Caughey Forrest, Analystin beim Investmenthaus Fort Pitt Capital Group, betonte dagegen, Microsoft brauche den Firmengründer als "Technologie-Visionär" weiterhin.
Gates immer noch größter Einzelinvestor
Ein Konzernsprecher wollte sich nicht zu der Situation äußern. Gates ist selbst mit 4,5 Prozent an der 277 Milliarden Dollar (204 Milliarden Euro) teuren Firma beteiligt, die er vor 38 Jahren mitgegründet hat. Er ist damit der größte Einzelinvestor und noch immer einer der einflussreichsten Personen in der Branche.
Vor dem Microsoft-Börsengang 1986 hielt Gates 49 Prozent der Anteile. Nachdem dem Konzern dank der Windows-Programme ein weltweiter Siegeszug gelungen war, zog sich Gates 2000 vom Chefposten zurück und übergab Ballmer die Verantwortung für das operative Geschäft. Gates widmete sich verstärkt karitativen Initiativen. Diese finanziert er mit dem Verkauf von rund 80 Millionen Microsoft-Aktien pro Jahr. Damit dürfte er 2018 ohne Beteiligung dastehen.
Gates könnte Neuausrichtung behindern
Den Insidern zufolge fürchten die rebellierenden Investoren, dass Gates stärkeren Veränderungen kritisch gegenübersteht und die Macht des neuen Chefs einschränken könnte. Unter anderem verweisen sie auf die einflussreiche Rolle Gates' in einem Spezial-Gremium, das den Ballmer-Nachfolger finden soll. Sie erwarten zudem, dass der Gründer wegen seiner sinkenden Beteiligung an Macht verliert und damit nicht mehr der Richtige für den Posten des Chairman ist.
Microsoft hatte Ende August angekündigt, dass Ballmer innerhalb der nächsten zwölf Monate zurücktritt. Zuvor hatte der aktivistische Investor ValueAct Capital Management Druck ausgeübt. Zuletzt gestand Ballmer Fehler ein - so habe er unter anderem den Einstieg in den florierenden Smartphone-Markt verpasst.
Neuausrichtung mit Hardware und Service
Ballmer kündigte erst im Juli eine Neuausrichtung des Unternehmens an, dessen Vormachtstellung durch den Trend zu Tablets und Smartphones schwindet. Microsoft soll in einen Konzern für Software, Elektronikgeräte und Dienstleistungen umgebaut werden. So hatte Microsoft zuletzt für 5,4 Milliarden Euro das Handygeschäft von Nokia übernommen.
Noch ist Microsoft allerdings nicht nur einer der wertvollsten Technologie-Konzerne der Welt, sondern verdient mit 22 Milliarden Dollar im Jahr auch glänzend. Das Unternehmen hängt dabei stark von Windows und Office ab, die auf klassischen Computern zum Einsatz kommen. Wegen der schwächeren Aufstellung im Markt mit mobilen Geräten sind die Aktien in den vergangenen zehn Jahren indes kaum mehr gestiegen.











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