07.08.2013 19:19 |

Konzept ausgegraben

Asfinag will Pannenstreifen als Fahrspur freigeben

Die Asfinag hat ein Konzept aus dem Jahr 2010 wieder ausgegraben: Sie prüft derzeit die Möglichkeit, ob auf bestimmten Autobahnabschnitten während der Stoßzeit die Pannenstreifen - mit reduziertem Tempo - für den normalen Verkehr freigegeben werden können. Zeithorizont für eine Realisierung wären drei bis fünf Jahre. Der ÖAMTC sprach sich in einer ersten Reaktion gegen das Vorhaben aus, das aus Sicht des Clubs bedenklich für die Verkehrssicherheit ist.

Bereits vor drei Jahren hatte die Asfinag erstmals ein Konzept zur Freigabe des Pannenstreifens vorgestellt. Hintergrund war damals laut Medienberichten das Sparprogramm der Asfinag. Pannenstreifen sollen als Alternative zu kostenintensiveren Autobahnausbauten genutzt werden, hieß es. Zuletzt war von einem Praxistest auf der A4 im Jahr 2012 die Rede. Dieser wurde aber nie umgesetzt. Das Vorhaben schien in der Schublade verschwunden zu sein - bis jetzt.

Umsetzbarkeit auf drei Abschnitten wird geprüft
Konkret wurden nun Studien durchgeführt, die eine Umsetzung auf drei Abschnitten prüfen sollen: Auf der A4 zwischen Knoten Prater und Knoten Schwechat, auf der A1 die Anschlussstelle Wallersee sowie die A12 von Zirl Ost bis nach Innsbruck. Dabei werden laut Asfinag-Geschäftsführer Josef Fiala u.a. die Verkehrsströme analysiert sowie Prognosen zu deren Entwicklung erstellt.

Abstimmung in der Infobox: Bei Stau Pannenstreifen freigeben - gute Idee?

Aber es geht auch ganz konkret um die Infrastruktur: Haben die Pannenstreifen eine ausreichende Breite von 3,25/3,5 Metern, kann man überhaupt die notwendigen Pannenbuchten und die Überkopfwegweiser bauen, die dann den Pannenstreifen für ein reduziertes Tempo freigeben würden.

"Der nächste Schritt wäre es, zu entscheiden, ob das die richtige Maßnahme ist", so Fiala. Notwendig wäre dann auch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung. Laut dem Asfinag-Geschäftsführer wäre diese Maßnahme jedenfalls günstiger, aber auch von der Abwicklung des Verfahrens schneller umzusetzen als der Bau eines weiteren Fahrstreifens. Dass die Rettungsgasse eingeführt wurde, um diese temporäre Freigabe der Pannenstreifen zu ermöglichen, stellte Fiala in Abrede.

ÖAMTC: "Rettungsgasse kein vollwertiger Ersatz"
"Der Club spricht sich gegen diesen Plan aus", stellte in einer ersten Reaktion ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider klar. Neben der Sorge um die Verkehrssicherheit könne er auch das Argument, dass die Rettungsgasse nun den Pannenstreifen ersetzt, so nicht gelten lassen, kritisierte Schneider. "Die Rettungsgasse kann allenfalls Einsatzkräften die Zufahrt zu Unfällen erleichtern. Sie ist keinesfalls ein vollwertiger Ersatz für den Pannenstreifen, der ja auch als Abstellfläche dient, um mögliche Verkehrsbehinderungen so kurz wie möglich zu halten."

Ein weiterer Punkt, der gegen eine Freigabe spreche, seien fehlende Grundlagen und deren gesetzliche Verankerung. "Es wurde beispielsweise noch nicht definiert, in welchen Abständen Pannenbuchten zu schaffen sind oder welche Geschwindigkeitsbeschränkungen zu gelten haben", merkte der ÖAMTC-Experte an. Zudem können Probleme mit der Verkehrsführung bei Auf- oder Abfahrten entstehen, was wiederum Gefahrenpotenzial birgt. Bestehende Pannenstreifen seien nicht als Fahrstreifen konzipiert. Schneider: "Bei hoher Lkw-Belastung können daher Fahrbahnschäden keinesfalls ausgeschlossen werden."

Autofahrerclubs 2010 für Asfinag-Initiative
Interessant allerdings: Noch 2010 stand der ÖAMTC dem Konzept, Pannenstreifen auf Autobahnen im Bedarfsfall freizugeben, noch offen gegenüber. Lediglich auf langen Strecken dürfe man den Pannenstreifen jedoch "auf keinen Fall freigeben", hatte der Club damals gegenüber der APA erklärt. "Keine Einwände gegen die Öffnung, wenn sie zweitweise auf kurzen Straßenabschnitten erfolgen und wenn die Dauer klar kommunziert wird" erhob 2010 der ARBÖ. "Prinzipiell positiv" beurteilte auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit damals die Asfinag-Initiative.

In der Bevölkerung war die Erwägung der Asfinag hingegen in der Vergangenheit umstritten. Jeweils die Hälfte befürwortete bzw. lehnte die Idee zur Entlastung der Stausituation 2010 ab, wie der Infoscreen-Monitor, basierend auf 500 vom Marktforschungsinstitut OGM durchgeführten Telefoninterviews, ergab.

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