"Essbremse" im Gehirn

Mäuse-Studie: Gen für Fruchtbarkeit hält auch schlank

Wissenschaft
19.07.2013 15:00
Jene Nervenzellen im Gehirn, die die Sexualität steuern, können laut einer neuen Studie auch das Körpergewicht beeinflussen. Diesem Mechanismus sind Forscher am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im deutschen Bad Nauheim bei Experimenten mit Mäusen auf die Spur gekommen.

Der Mechanismus könnte erklären, warum viele Frauen nach der Menopause zunehmen, berichteten die Wissenschaftler am Freitag. Auch Männer könnten deshalb jenseits der 50 mehr Kilos auf die Waage bringen - bei ihnen sei es allerdings ein schleichenderer Prozess.

Mäuse-Studie auf Menschen übertragbar
Schon bisher war bekannt, dass extremes Übergewicht die Fruchtbarkeit einschränkt. Die auf Mäusen beruhende neue Entdeckung der Max-Planck-Wissenschaftler weist nun darauf hin, dass dieses Prinzip auch umgekehrt gilt: Lässt die Fruchtbarkeit nach, steigt das Körpergewicht. Dieses Ergebnis sei auf den Menschen übertragbar, da es im Kern um ein ganz spezielles Gen gehe, das auch der Mensch trage, sagt Institutssprecher Matthias Heil.

Für ihre Versuche schalteten die Forscher bei einem Typ von Gehirnzellen von Mäusen ein Gen namens Nscl-2 ab, das viele Nervenzellen zu bestimmten Aufgaben anregt. Zu Beginn der Pubertät sorgt es zum Beispiel für die Ausreifung der Geschlechtsorgane und für sexuelles Verlangen. Wie die Forscher nun herausfanden, steuert es in Wechselwirkung mit einem weiteren Typ von Nervenzellen aber auch die Stoffwechselaktivität. Die so angeregten Nervenzellen geben dem Gehirn zum Beispiel Auskunft über verfügbare Fettreserven und regulieren auf diese Weise das Hungergefühl mit.

Gen ist vermutlich im Alter nicht mehr aktiv
Im Alterungsprozess des Menschen fällt dieses Gen wahrscheinlich auf natürliche Weise weg. "Es wird nicht mehr aktiviert, vielleicht ist dieser Typ Nervenzellen auch gar nicht mehr vorhanden", sagt Heil. Dadurch hätten Frauen nach den Wechseljahren unter Umständen kein natürliches Gespür mehr dafür, wann sie aufhören sollten zu essen. Männer blieben von dieser fehlenden "Essbremse" mit zunehmenden Alter aber auch nicht verschont.

Für Gewichtszunahme nach der Menopause gibt es bisher unterschiedliche Erklärungen, zum Beispiel eine hormonell bedingte Umstellung des Stoffwechsels. Dass aber auch Gene und Nervenzellen dabei eine Rolle spielen könnten, sei neu, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience". Ob die Entdeckung des Gen-Mechanismus dazu beitragen kann, die altersbedingte Gewichtszunahme beim Menschen zu beeinflussen, soll nun in weiteren Studien untersucht werden.

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