21.07.2013 12:36 |

Albert II. dankte ab

Philippe ist offiziell der neue König von Belgien

Belgien hat einen neuen König: Nach der Abdankung seines Vaters Albert II. legte sein Sohn Philippe am Sonntag den Amtseid vor dem Parlament in Brüssel ab. Der 53-Jährige wurde damit der siebente König Belgiens.

"Ich schwöre, die Verfassung und die Gesetze des belgischen Volkes zu beachten, die Unabhängigkeit des Landes zu erhalten und die Unversehrtheit des Staatsgebietes zu wahren", sagte Philippe. Er sprach den Eid in den drei Landessprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch.

In seiner ersten Thronrede erklärte der neue König anschließend: "Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die auf mir ruht." Den Bürgern sprach Philippe Mut zu: "Die Krise trifft viele Menschen von uns in diesem Land. Ich möchte alle ermutigen, nicht nachzugeben." Belgien solle zudem am europäischen Projekt weiterarbeiten. Seine Ansprache beendete Philippe mit den Worten: "Es lebe Belgien!"

Albert II. dankte offiziell ab
Am Vormittag hatte sein Vater König Albert II. abgedankt. In einer letzten kurzen Ansprache, die live im Fernsehen übertragen wurde, sprach Albert II. seinem Sohn und Thronfolger sein "ganzes Vertrauen" für die neue Aufgabe aus. Er habe "alle Qualitäten", um dem Land zu dienen.

In Richtung der anwesenden Regierungsvertreter und Parlamentarier sagte Albert II., seine letzte Empfehlung für die Politiker sei es, "unermüdlich am Zusammenhalt Belgiens zu arbeiten".

Scheidender König rührte Gattin zu Tränen
An seine Frau Paola richtete der 79-Jährige bewegende Dankesworte. Er wolle der Königin "einfach nur Danke sagen" dafür, dass sie ihn stets unterstützt habe, sagte er mit zitternder Stimme. Zur Überraschung der Anwesenden schickte er einen legeren "dicken Kuss" an seine Gattin hinterher. Diese wischte sich nach den Worten ihres Mannes eine Träne aus dem Gesicht.

Albert II. hatte seine Abdankung mit seinem Alter und seinem angeschlagenen Gesundheitszustand begründet. In seiner letzten Ansprache an die Nation als belgischer Monarch rief er die Belgier am Samstag zum Zusammenhalt und zur Unterstützung ihres neuen Königspaares auf.

Philippe darf künftig mit drei Namen unterschreiben
Rechtzeitig vor Amtsantritt wurde die Frage gelöst, mit welchem Namen König Philippe künftig Gesetze unterzeichnen wird. Dank einer geplanten Änderung des "Gesetzes über den Gebrauch von Sprachen im administrativen Bereich" von 1961 darf er dies mit "Philippe" (französisch), "Filip" (niederländisch) und "Philipp" (deutsch) tun.

Ohne die Gesetzesänderung hätte er nur die französische Schreibweise verwenden dürfen, die in seiner Geburtsurkunde aufscheint. Dies hatte in Belgien, das seit Jahrzehnten vom Konflikt zwischen dem französisch- und dem niederländischsprachigen Landesteil geprägt ist, für heftige Diskussionen gesorgt.

Gespaltenes Land mit Vorbehalten gegen die Monarchie
Belgien ist gespalten zwischen den Niederländisch sprechenden Flamen im Norden und den frankophonen Wallonen im Süden. Flandern strebt nach einer größeren Unabhängigkeit vom ärmeren Wallonien. Zudem haben viele Belgier im Norden Vorbehalte gegen die Monarchie, die als im einst mächtigeren Süden des Landes verwurzelt gilt. Der König hat weitgehend repräsentative Aufgaben, beauftragt nach Wahlen aber auch Politiker mit der oft schwierigen Koalitionsbildung.

Trotz kritischer Stimmen aus dem Lager der Monarchie-Gegner versammelten sich am Sonntag zahlreiche Menschen vor dem Königspalast in Brüssel. Die Feierlichkeiten wurden auf den belgischen Nationalfeiertag und das 20-jährige Thronjubiläum Alberts II. gelegt. Angesichts knapper Kassen und sparmüder Bürger wollte die Regierung so Kosten senken.

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