Nur 71 mm lang

55 Mio. Jahre altes Primaten-Skelett in China entdeckt

Wissen
05.06.2013 19:00
In China haben Wissenschaftler das bis dato älteste, fast komplett erhaltene Skelett eines Primaten entdeckt. Die winzige Kreatur lebte vor 55 Millionen Jahren und wog nur 20 bis 30 Gramm. "Bisher hatten wir fast nur Fragmente von so alten Primaten-Skeletten. Der Fund hilft uns nun, auch mehr über die Vorfahren des Menschen zu verstehen", sagte der Paläontologe Ni Xijun von der Akademie der Wissenschaften in Peking.

Bei dem Primaten (das Bild zeigt eine künstlerische Darstellung des Tieres) handelt sich um einen Vorfahren des Koboldmakis und damit um das älteste und primitivste Glied in der Ahnenreihe der sogenannten Trockennasenaffen, wie Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen erläuterte. Dazu gehören auch Menschenaffen und Menschen. Ihnen stellt man die Feuchtnasenaffen gegenüber, zu denen etwa Lemuren und Loris zählen. 

Skelett in altem Flussbett entdeckt
Die Knochen des Primaten wurden in einem alten Flussbett in der zentralchinesischen Provinz Hubei entdeckt. Damit seien die Tiere viel weiter verbreitet gewesen als bisher angenommen - vermutlich von China bis Ägypten, sagte Kappeler. Es gebe nur sehr wenige solcher Fossilien. Die Kreatur war nur 71 Millimeter lang, schreiben die Forscher im Journal "Nature". "Bisher hatten wir keine Vorstellung davon, wie die frühen Affen überhaupt aussahen. Mit dem Skelett können wir nun viele weitere Forschungen machen", so Xijun.

Die Forscher gaben der Kreatur den wissenschaftlichen Namen Archicebus achilles, was in etwa "sehr alter Affe" bedeutet. Weil das Fersenbein des Geschöpfes Ähnlichkeiten mit anderen Trockennasenaffen zeigt, schließen die Forscher, dass die Trennung in Koboldmakis und Anthropoide - die Vorfahren des Menschen - noch früher passiert sein muss als bisher angenommen. 

Die Koboldmakis seien jedoch viel näher mit den Anthropoiden und damit letztlich den Menschen verwandt als zuvor vermutet. Auch das habe die Studie ergeben, sagte Ni Xijun. Koboldmakis leben heute auf südostasiatischen Inseln wie Sumatra, Borneo und den südlichen Philippinen. Auch in einigen europäischen Zoos gibt es die Tiere mit den großen Augen.

Tier dürfte sich von Insekten ernährt haben
Schmale Zähne der Kreatur deuten laut "Nature" darauf hin, dass sie Insekten gefressen hat. Auch heutige Koboldmakis ernähren sich ausschließlich von Insekten. Und sie sind nachtaktiv. Die großen Augenhöhlen des Fossils seien ebenfalls ein Hinweis auf die Lebensweise des Tiers. Vermutlich sei es ein guter Jäger gewesen, der ebenfalls bei Nacht Beute suchte, wie Kappeler erläuterte.

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