Tierversuche zeigen:

Vogelgrippe H7N9 kann sich durch die Luft verbreiten

Wissen
24.05.2013 12:42
Die Vogelgrippe A(H7N9) kann nicht nur im direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, sondern auch über die Luft übertragen werden, wenn auch nur in begrenztem Ausmaß. Das hat ein internationales Forscherteam jetzt im Rahmen von Tierversuchen herausgefunden. Bisher sind weltweit 36 Menschen an A(H7N9) gestorben.

Beim direkten Kontakt zwischen Frettchen sei das Virus (im Bild eine elektronenmikroskopische Aufnahme) übertragen worden und weniger effektiv sogar über die Luft, schrieben die Wissenschaftler aus China, Kanada und den USA in einem Artikel für das Journal "Science". "Diese Tierstudie zeigt uns, dass ein enger Kontakt nötig ist, damit sich das Virus verbreiten kann", sagte der Wissenschaftler David Kelvin von der Universität im kanadischen Toronto laut einer Mitteilung seines Instituts.

Die Forscher hatten den Erreger von einem verstorbenen Patienten isoliert und in die Nase von sechs Frettchen geträufelt. Einen Tag später setzten sie drei gesunde Frettchen in den Käfig zu den infizierten Tieren. Direkt daneben stellten sie einen weiteren Käfig mit drei gesunden Frettchen. Im Käfig mit den infizierten Tieren steckten sich alle Marder an. In dem etwas weiter entfernt stehenden Käfig wurde nur eines der drei Säugetiere infiziert.

Übertragung zwischen Menschen möglich?
"Unter geeigneten Bedingungen ist eine Übertragung zwischen Menschen vermutlich möglich", folgerten die Forscher. Frettchen werden häufig als Säugetiere für Tests benutzt, um eine Übertragung von Mensch zu Mensch zu prüfen.

Noch ein zweites Resultat macht den Forschern Sorge: Schon mindestens einen Tag, bevor die Tiere Symptome der Krankheit zeigten, stellten die Wissenschaftler den Erreger in deren Nasen fest. Daraus schließen sie, dass vermutlich auch Menschen das Virus verbreiten könnten, bevor sie selbst erkranken. Dies würde die Kontrolle einer Epidemie deutlich erschweren. Sollte sich der Erreger leicht unter Menschen übertragen, so könne er sich weit verbreiten, folgerten die Forscher.

Der Virologe Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg warnte davor, das Resultat für den Menschen überzubewerten. "Die Studie beruht auf streng kontrollierten Versuchen an Frettchen. Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt." Dennoch müsse man den Erreger genau beobachten, da er einige Eigenschaften habe, die typisch für menschliche Influenzaviren seien.

Seit 8. Mai keine neuen Infektionen mehr gemeldet
Chinesische Behörden hatten Ende März das erste Mal von Infektionen des Virus bei Menschen berichtet. In den Wochen danach hatten Gesundheitsämter immer mehr Infizierte diagnostiziert und Tote gemeldet. Mittlerweile scheinen das Keulen Tausender Vögel und weitere Vorsichtsmaßnahmen Wirkung zu zeigen: Seit dem 8. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation WHO keine neuen Infektionen mehr gemeldet. Bisher sind demnach 36 Menschen an H7N9 gestorben. 131 Patienten wurden der Statistik zufolge mit dem Erreger infiziert.

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