Am ESA-Standort in Frascati südlich von Rom laufen künftig alle Informationen zusammen, aus denen die Experten auf mögliche Gefahren aus dem Weltall schließen können. Ist ein gefährlicher Asteroid tatsächlich auf Kollisionskurs mit der Erde, dann gilt es, ihn sehr rasch zu berechnen und danach zu handeln, denn - da sind sich die Forscher einig - Zeit ist der alles entscheidende Faktor.
Neues ESA-Zentrum dient der Früherkennung
"Es ist das Allerwichtigste überhaupt, die Asteroiden so früh wie möglich zu erkennen, um ihre Bahn bestimmen zu können", erläuterte der Projektleiter des Koordinationszentrums für erdnahe Objekte (NEOCC), Detlef Koschny, im Gespräch mit der deutschen Nachrichtenagentur dpa.
"Was in Frascati jetzt gebündelt und kombiniert wird, ist ein erster Schritt hin zu einem europäischen System", ergänzte der Forscher. Er verweist darauf, dass vor allem wichtige astronomische Auswertungen der Universität Pisa so wie auch die Daten anderer Systeme und Sensoren zusammengefasst werden. Der Warndienst soll so verbessert, Zeit im Wettlauf mit Asteroiden gewonnen werden.
Neun von zehn der wirklich großen und damit ganz gefährlichen Himmelskörper in einer Bahn nahe der Erde sind den Astronomen schon bekannt. Bei einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer würden sie nach ihrem gewaltigen Aufschlag ungeheuren Schaden auf der Erde anrichten. "Das ist unser Stand bei jenen Objekten, die groß genug sind", sagt Wissenschaftler Koschny. "Für kleinere Objekte von 100 bis 200 Metern Durchmesser stehen wir leider noch nicht so gut da." Nur wenige Prozent seien bekannt. Aber schon der Einschlag eines "kleinen" Meteoriten im Meer kann beispielsweise einen verheerenden Tsunami auslösen.
Forscher treiben Registrierung von Brocken voran
Die Registrierung der herumschwirrenden Himmelsbrocken soll also nun voranschreiten. Was aber tun, wenn Gefahr aus dem Weltall droht? "Wenn der Asteroid kleiner ist als 100 Meter, dann rennt man weg, dann ist Evakuierung angesagt", erläuterte der Fachmann. Bei den größeren "Brummern" sei es eben wichtig, sie ein paar Jahre eher geortet zu haben, um dann das geeignete Abwehrmodell auszuwählen.
Um einen auf die Erde zusteuernden Asteroiden von seinem Kollisionskurs abzubringen, könnte man etwa mit einer Raumsonde einen "Auffahrunfall" im Weltall bauen und ihn so ablenken. Möglich wäre es auch, das einzusetzen, was man den Gravitationstraktor nennt: Die Sonde begleitet jahrelang einen Himmelskörper, wobei sie ihn nach und nach mit ihrer Anziehungskraft von seiner bedrohlichen Bahn abbringt.
"Werden große Asteroiden Jahre vorher erkennen"
"Ich bin zuversichtlich, dass wir die großen Asteroiden Jahre vorher und damit rechtzeitig erkennen", sagt der Projektleiter des neuen Koordinierungszentrums in den Bergen von Frascati. Eine letzte Möglichkeit bliebe immer noch, nämlich, den Himmelsbrocken mit einer nuklearen Explosion aus seiner Bahn zu werfen. Eine Atombombe im All ist nicht unumstritten - womöglich aber eines Tages die einzige Chance, den Planeten Erde vor weitgehender Zerstörung zu bewahren.
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