Einheit 61398

Militärhacker aus China nehmen USA wieder ins Visier

Web
21.05.2013 12:45
Nachdem es in den letzten Wochen ruhig um den Hackerdisput zwischen China und den USA geworden ist, schlagen die Hacker des chinesischen Militärs jetzt offenbar wieder zu. Jene Militäreinheit, die schon vor rund drei Monaten für die Angriffe auf zahlreiche US-Firmen und Behörden verantwortlich gemacht wurde, soll nach mehrwöchiger Inaktivität wieder massiv Angriffe auf US-Server verüben, heißt es vonseiten einer US-Sicherheitsfirma.

Die Security-Firma Mandiant hatte im Februar erstmals bekannt gegeben, die Quelle der ständigen Cyberangriffe auf US-Unternehmen ausgemacht zu haben. Ein zwölfstöckiges Gebäude in einem Vorort von Shanghai, das der chinesischen Volksbefreiungsarmee gehören soll, wurde als Ursprung der Attacken ausgemacht. Verantwortlich sei die chinesische Militäreinheit 61398, hieß es vonseiten Mandiants.

Weniger Angriffe nach Chinas Dementi
China dementierte damals, in einem Zusammenhang mit den anhaltenden Cyberattacken gegen US-Institutionen zu stehen. Man werde selbst immer wieder Opfer von Hackerangriffen aus den USA, mache aber deswegen nicht die dortige Regierung dafür verantwortlich, empörte man sich in Peking. 

Trotzdem: Nachdem die Entdeckung von Mandiant öffentlich wurde, verringerte sich das Ausmaß der Hackerangriffe spürbar. Zahlreiche Regierungsdokumente, geistiges Eigentum und Baupläne von US-Behörden und Unternehmen waren zu diesem Zeitpunkt freilich längst entwendet worden.

Einheit 61398 hat Betrieb wieder aufgenommen
Jetzt berichtet die "New York Times", erst letztes Jahr selbst Opfer andauernder Cyberangriffe (siehe Infobox), dass Mandiant wieder einen massiven Anstieg der Hackeraktivitäten gegen US-Firmen festgestellt hat. Der Ursprung wird abermals in dem mysteriösen Gebäude in Shanghai vermutet. 

Einheit 61398, so scheint es, hat den Betrieb wieder aufgenommen, nachdem es in den letzten Monaten verdächtig ruhig war – den Sicherheitsexperten zufolge vor allem deshalb, weil die Hacker daran arbeiteten, ihre Spuren zu verwischen. 

Laut Mandiant greifen die mutmaßlichen Armeehacker im Vergleich zur letzten Angriffswelle derzeit mit 70-prozentiger Intensität an und nutzen neue Tools, Techniken und Server, um nicht so schnell wieder aufzufallen.

Gespräche über Cyberangriffe auf höchster Ebene
Es ist immer noch unklar, ob die Cyberangriffe von der chinesischen Regierung angeordnet werden. Peking hielt die Mandiant-Analysen vor drei Monaten für Fälschungen, die nicht genug Beweismaterial enthalten würden, um tatsächlich das chinesische Militär für die Hackerangriffe verantwortlich machen zu können. Ähnliche Reaktionen sind wohl auch dieses Mal zu erwarten.

Trotzdem prägt das Thema Cyberkrieg die Beziehungen zwischen Peking und Washington mittlerweile nachhaltig. US-Präsident Obama, der seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping von 7. Bis 8. Juni in Kalifornien empfängt, macht die Bedrohung aus dem Web zunehmend zur Chefsache. Es gilt als sicher, dass Cyberspionage erneut ein wichtiges Thema bei dem Treffen sein wird, nachdem die beiden Länder erst kürzlich die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe gegen Cyberangriffe ankündigten (siehe Infobox).

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