Langzeitstudie zeigt:

Trinken in Pubertät beeinflusst später Alkoholkonsum

Wissen
18.05.2013 00:01
Wer in der Pubertät das erste Mal Alkohol trinkt, der erhöht sein Risiko, auch später im Leben mehr und öfter Alkohol zu konsumieren. Zu diesem Ergebnis kommen Studien von Forschern des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit im deutschen Mannheim. Verantwortlich dafür ist der Umstand, dass das jugendliche Gehirn anfällig für Belohnungen durch Suchtstoffe ist.

"Das Belohnungssystem des Gehirns verändert sich während der Pubertät stark", erläuterte der Pharmakologe Rainer Spanagel. Aus diesem Grund sei es in dieser Phase auch anfälliger für Belohnungen, die von Suchtmitteln geliefert werden. Das wiederum könne Auswirkungen auf den Alkoholkonsum im weiteren Leben haben, schreiben die Forscher.

Ergebnisse von Langzeitbeobachtungen
Die Erkenntnisse der Mannheimer Forscher unter der Leitung von Miriam Schneider stammen zum einen aus einer Langzeitbeobachtung: Dabei wurde der Alkoholkonsum 283 junger Erwachsener mit Blick darauf ausgewertet, ob sie schon während der Pubertät Alkohol getrunken hatten. Zudem gab es Untersuchungen an Ratten.

"Die meisten Teenager trinken das erste Mal während der Pubertät Alkohol", sagte Schneider. Der Beginn der Pubertät wird definiert mit dem Eintritt der Geschlechtsreife bei Mädchen und Buben. In der Regel liegt er zwischen zwölf und 14 Jahren. "Das verschiebt sich heute aber immer mehr nach vorne", sagte Spanagel.

Pubertät als heikle Zeit
Den Untersuchungen zufolge scheint das Risiko eines höheren Alkoholkonsums im weiteren Leben nicht nur geringer zu sein, wenn man erst nach der Pubertät zum ersten Mal Alkohol trinkt. Es scheine sogar dann leicht geringer, wenn man vor der Pubertät erstmals zu Bier oder anderen Alkoholika greife, als wenn das während der Pubertät geschehe, betonen die Forscher.

Die Wissenschaftler ziehen aus ihren Erkenntnissen den Schluss, dass Präventionsprogramme sehr viel gezielter auf junge Menschen in der Pubertät zugeschnitten werden müssten. Schneider sagte aber auch: "Es muss auf jeden Fall noch Forschung zu diesem Thema stattfinden." Bisher sei die gängige Lehre gewesen, dass die Folgen desto schlimmer seien, je früher der Alkoholkonsum beginne. Jetzt gebe es "erste Hinweise", dass die Entwicklungsphasen eine wichtige Rolle spielten.

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