Der Beste der Welt?

Weltpremiere der brandneuen Mercedes-S-Klasse

Motor
15.05.2013 22:21
Es gibt nicht viele Produkte, die das Wesen einer Marke definieren und darüber hinaus noch sinnbildlich für ein ganzes Land stehen. Die S-Klasse von Mercedes gehört unbestritten dazu. Sie ist die deutsche Limousine. Keine leichte Aufgabe, diesen Status auch bei einer neuen Generation zu wahren.

Wenn Mercedes eine neue S-Klasse vorstellt, geht es immer auch um den Titel des "Besten Autos der Welt". Und ganz unbescheiden nimmt man bei Daimler in Anspruch, genau dieses erneut kreiert zu haben. "Die Kunden erwarten, dass die neue S-Klasse in jeder Hinsicht Maßstäbe setzt und sich so den Beinamen 'Das beste Automobil der Welt' erarbeitet", behauptet Daimler-Chef Dieter Zetsche und sieht in der neuen Limousine den durchaus umstrittenen Leitspruch "Das Beste oder Nichts" erfüllt.

S-Klasse glänzt mit einer Reihe Superlative
Dass sich das neue Flaggschiff der Marke den Titel erarbeiten muss, wirft nebenbei ein kleines Schlaglicht auf die gewachsene Konkurrenz, der sich Mercedes heute gegenüber sieht. Besonders in den neuen und wachstumsträchtigen Märkten Asiens liegen die Schwaben nicht aus Tradition vor ihren Wettbewerbern. Da gilt es, einen souveränen Auftritt mit zukunftsweisender Technik zu verbinden. Entsprechend darf die neue S-Klasse, die im Juli zu den Händlern kommt, gleich mit mehreren Superlativen glänzen.

Zum einen ist sie so sparsam wie nie zuvor. 4,4 Liter Diesel genehmigt sich etwa der S 300 als Bluetec Hybrid. Das entspricht 115 Gramm CO2 und unterbietet alle relevanten aktuellen Flottenanforderungen. "Innerhalb von zehn Jahren hat Mercedes den Verbrauch in der 150-kW-Leistungsklasse nahezu halbiert", freut sich Technik-Vorstand Thomas Weber. Mithilfe des zusätzlichen 20 kW/27 PS-starken E-Motors des Hybridsystems verdient sich der Vierzylinder-Diesel mit 204 PS, der ohne Hybridanbindung bereits im Vorgänger seinen Dienst verrichtete, die Effizienzeinstufung A+. Er kommt allerdings etwas später. Der zweite Diesel, das eigentliche Einstiegsmodell S 350, erhält für seinen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter bei 258 PS aus drei Liter Hubraum, verteilt auf sechs Zylinder, ein A. 

Den beiden Selbstzündern stellt Mercedes zum Produktionsstart zwei Benziner zur Seite. Der S 500 bedient die Klientel der traditionsbewussten Achtzylinderkunden und dürfte dank 455 PS in Verbindung mit mächtigen 700 Newtonmeter Drehmoment im Normalfall kein Gefühl von Leistungsmangel aufkommen lassen. Sein Normverbrauch von 8,6 Liter (CO2: 199 g/km) ist aller Ehren wert, in einer Limousine, die zwar aus Schwaben kommt, aber eigentlich mehr auf höchstes Prestige und hohe Leistung denn auf Sparsamkeit ausgelegt ist. Dafür ist letztlich auf Benziner-Seite der S 400 Hybrid zuständig. Der 306 PS starke Sechszylinder begnügt sich mit 6,3 Liter Super, was 147 Gramm CO2 entspricht.

Wie viel der nächste S 600 verbrauchen wird, verrät Mercedes noch nicht. Klar ist aber, dass auch bei der neuen S-Klasse ein Zwölfzylinder das obere Ende des Leistungsangebotes markieren wird.

Beim sparsamen Umgang mit Treibstoff hilft die Aerodynamik. Trotz mächtigem Kühlergrill kommt die S-Klasse auf einen cW-Wert von 0,24, der Dieselhybrid sogar auf 0,23. Nebenbei spart Daimler Energie, indem alle Lampen im Auto mit LED-Technik leuchten. Insgesamt knapp 500 LEDs ersetzen jegliche sonst verwendete Glühlampe, allein 300 sorgen im Interieur für das passende Ambiente.

Maximaler Komfort fängt in der S-Klasse hinten an. Speziell in China nutzen die Kunden ihre Limousine doch am liebsten mit Chauffeur. Auch deshalb hat Mercedes diese S-Klasse zuerst als 5,25-Meter-Langversion entwickelt und dann erst die kürzere Variante abgeleitet. Fünf verschiedene Sitze stehen für den Fond zur Wahl. Für die passende Entspannung sorgt bei Bedarf eine Massage nach dem Hot-Stone-Prinzip. Vorne blicken Fahrer und Beifahrer auf ein riesiges Display, das aus zwei nebeneinander angeordneten TFT-Bildschirmen mit einer Diagonale von je 31 Zentimeter besteht. Dort werden die klassischen Fahrinstrumente ebenso abgebildet wie Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien.

Assistenten sonder Zahl
Traditionell tritt eine neue S-Klasse auch als Trendsetter in Sachen Sicherheit auf. In der neuen Generation debütieren sogenannte Beltbags, kleine Airbags in den Gurten für die Passagiere hinten. Zudem bremst das Fahrzeug automatisch auch für Fußgänger und kann Kollisionen bis Tempo 50 vermeiden. Eine Armada elektronischer Schutzengel arbeitet zusammen, um Gefahren von allen Seiten rechtzeitig zu erkennen, gegebenenfalls abzuwehren und das Fahrzeug in der Spur zu halten. Der Abstandstempomat hält nicht nur die Entfernung zum Vordermann sondern lenkt auch weitgehend selbstständig zum Beispiel im Stop-and-Go-Verkehr. 

CLS stand Pate fürs Design
Wirken die Assistenten im Verborgenen, ist die Arbeit von Gorden Wagener augenfällig. Der Chefdesigner des Hauses hat der neuen S-Klasse eine Hülle verpasst, die Dynamik und Status ausstrahlt. Die Linienführung erinnert ein wenig an CLS und CLA, wirkt aber durch die schiere Größe des Fahrzeugs im besten Sinne traditioneller. Dabei spielt der mächtige Grill mit dem stehenden Stern darüber eine wesentliche Rolle. "Das Design schlägt den Bogen zwischen der modernen progressiven Formensprache und der klassischen Eleganz unserer Fahrzeuge aus den 1930er-Jahren", findet Wagener. Für die Kunden in den neuen Wachstumsmärkten dürfte diese Interpretation kein Kaufgrund sein. Die Form hingegen schon, drückt sie doch Prestige und Status deutlich prägnanter aus als das bisherige Modell.

Gegenüber dem Vorgänger ist die neue S-Klasse nominell etwas teurer, wobei die Preise für Österreich noch nicht bekannt gegeben wurden. In Deutschland kostet der S 350 exakt 79.789 Euro, im alten Modell gab es ihn für 76.517 Euro. Der S 400 Hybrid verlässt gegen Zahlung von mindestens 85.204 Euro den Hof des Händlers, für den S 500 werden 104.601 Euro fällig. Die Langversionen sind je nach Motorisierung zwischen 3.000 und 6.000 Euro teurer.

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