Sterberisiko kleiner

Schweizer Studie: Hoch oben lebt es sich länger

Wissen
15.05.2013 12:55
Die Bewohner der oberen Stockwerke eines Hauses leben im Schnitt länger als ihre Nachbarn im Parterre. Das hat eine Studie der Universität Bern ergeben. Die Forscher vermuten soziale Unterschiede als Grund für das unterschiedliche Sterberisiko. Allerdings sterben in den oberen Stockwerken auch mehr Menschen durch Sprünge aus großer Höhe.

Wer in einem mindestens vierstöckigen Haus in einem oberen Stockwerk wohnt, hat meist nicht nur eine bessere Aussicht als die Nachbarn weiter unten, er kann diese auch länger genießen, wie die im "European Journal of Epidemiology" veröffentlichte Studie ergeben hat. Ein Team um Matthias Egger und Radoslaw Panczak vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern konnte zeigen, dass Menschen im untersten Stock ein deutlich höheres Risiko haben, an Herzkreislauf- oder Lungenerkrankungen zu sterben als ihre Nachbarn, die im vierten oder höheren Stock wohnen.

Sozioökonomischer Status entscheidend?
Beide Todesursachen sind mit gesundheitsrelevantem Verhalten wie Rauchen, Ernährung und Bewegung verbunden. Egger vermutet deshalb, dass die gefundenen Unterschiede im Sterberisiko zumindest zum Teil mit Unterschieden im sozioökonomischen Status der Bewohner der verschiedenen Stockwerke erklärt werden können. Zwar wurden in der Studie einige dieser Faktoren wie Bildung, Nationalität und Beruf berücksichtigt, das Einkommen und das Vermögen der Bewohner waren aber nicht bekannt.

Die Forscher schließen auch nicht aus, dass das Leben in einem höheren Stock mehr Bewegung bringt und damit die Gesundheit verbessert. "Wer regelmäßig die Treppen zu seiner Wohnung erklimmt, macht etwas für seine Gesundheit" sagt Egger. Allerdings dürfte vor allem in die höheren Stockwerke doch meistens der Lift zum Einsatz kommen.

Mehr Sprünge in Selbstmordabsicht
Nicht bei allen Todesursachen sind die Nachbarn in den höheren Stockwerken jedoch im Vorteil: Sie starben in der Beobachtungszeit von 2001 bis 2008 deutlich häufiger als die Bewohner der untersten Stockwerke durch Sprünge aus großer Höhe in suizidaler Absicht. Es ist aber unklar, ob dies allein an der Gelegenheit liegt. "Die Frage ist aber interessant für die Diskussion, ob die Verfügbarkeit einer Methode einen Einfluss auf die Suizidrate hat", sagt der Epidemiologe.

Für die Studie wurden die Daten von 1,5 Millionen Menschen analysiert, die zum Zeitpunkt der Volkszählung 2000 in der Schweiz in einem Gebäude mit vier oder mehr Stockwerken wohnten. In der Beobachtungszeit von 2001 bis 2008 wurden insgesamt 142.390 Todesfälle verzeichnet.

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