Versuche mit Mäusen

Schweizer Forscher identifizieren “Ausdauer-Eiweiß”

Wissen
14.05.2013 15:35
Beim Ausdauertraining bilden Muskeln ein bestimmtes Protein namens PGC-1alpha, dank dem sie längere Anstrengungen besser durchhalten und weniger Milchsäure (Laktat) bilden. Das hat ein Baseler Forscherteam jetzt durch Versuche mit Mäusen herausgefunden. Von den Erkenntnissen könnten Übergewichtige und Diabetiker profitieren.

Ein Sprinter oder Kraftsportler kann trotz größerer Muskelmasse keinen Marathon gewinnen, teilte die Universität Basel am Dienstag mit. Seine Muskeln erreichen früher als bei Ausdauersportlern einen Zustand, in dem sie Energie ohne Sauerstoff produzieren. Dabei entsteht Laktat, gleichzeitig ermüdet der Muskel.

Weniger Laktat durch Ausdauertraining
Die Muskeln von Ausdauersportlern hingegen können über längere Zeit Energie mithilfe von Sauerstoff produzieren, wobei kein Laktat anfällt. Diese Fähigkeit haben sie, weil beim Ausdauertraining der Muskel seinen Stoffwechsel umstellt: Er kurbelt unter anderem die Produktion des Proteins PGC-1alpha an.

Für ihre Versuche ließen die Wissenschaftler Mäuse während einer Stunde auf einem Laufband trainieren und maßen dann die Laktat-Spiegel. Schon nach wenigen Minuten stieg bei untrainierten Nagern der Milchsäurespiegel, es folgten Leistungsabfall und Erschöpfung. Mäuse mit hohem PGC-1alpha-Pegel waren jedoch bis zum Ende des Trainings leistungsfähig. Ihr Laktat-Spiegel verblieb trotz Belastung auf niedrigem Niveau.

"Wie sich herausstellte, verändert PGC-1alpha die Zusammensetzung eines Enzymkomplexes. Dadurch wird zum einen die Bildung von Laktat vermindert. Weiters wird das restliche im Muskel anfallende Laktat sofort umgesetzt und zur Energiegewinnung verwendet", berichtet Christoph Handschin vom Biozentrum der Universitität Basel im Fachjournal "PNAS".

Sporttherapie für Diabetiker
Auch im menschlichen Skelettmuskel steuert PGC-1alpha das Gleichgewicht zwischen Bildung und Abbau von Milchsäure. Störungen im Laktatstoffwechsel treten häufig bei Übergewichtigen und Diabetikern auf. Die Anregung der PGC-1alpha-Produktion durch ausdauernde sportliche Betätigung ist demnach ein wichtiger Ansatz, den Stoffwechsel bei diesen Patienten zu verbessern. Dadurch könnten Folgeschäden und fortschreitende körperliche Einschränkungen vermieden werden, so die Forscher.

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