"F. Scott Fitzgerald war der Größte unter uns allen." Bewundernde Worte aus dem Mund von Ernest Hemingway für den Lieblingsautor, der Eleganz zum Stilmittel machte und seine Romanfiguren, insbesondere jene in "The Great Gatsby", durch das Jazz Age der goldenen 20er-Jahre tanzen ließ, dabei zeitgeistig wie kein anderer schrieb und Gardenparties, Charleston-Euphorie und Luxusleben mit leichter Hand zu skizzieren wusste...
"Über Gatsbys Haus schien ein Oblatenmond"
F. Scott Fitzgerald war ein Magier, was Stimmungen anbelangte. So schreibt er in "Der große Gatsby": "In seinen blauen Gärten schwirrten Männer und junge Mädchen wie Falter zwischen dem Geflüster und dem Champagner und den Sternen umher... Über Gatsbys Haus schien ein Oblatenmond..." Literarische Brillanz also aus dem Jahre 1925, die das hedonistische Lebensgefühl der New Yorker Upper Class auf Long Island feierte, die sich in lauen Nächten auf dem elitären Anwesen von Jay Gatsby einfand - er ein Geschäftsmann mit fragwürdigem Hintergrund, der es zu großem Reichtum gebracht hatte und nur ein Ziel hatte: die Liebe seines Lebens, Daisy, die längst einen anderen zum Mann genommen hatte, zurückzugewinnen...
Ein Unfall, zerstobene Hoffnung, das Scheitern einer romantischen Mission und der willkürliche Tod dreier Personen lassen das schillernde Sittenbild in eine veritable Tragödie kippen. Doch der Zauber dieses Romans ist so lebendig, dass er allein in Amerika jedes Jahr mehr als 100.000 neue Leser findet.
Leonardo DiCaprio statt Robert Redford
Unvergessen die Gatsby-Verfilmung aus dem Jahre 1974 mit Robert Redford als titelgebenden Charismatiker und einer ätherischen Mia Farrow als Daisy. Ein Kino-Highlight, das nun mit Baz Luhrmanns opulenter Inszenierung von Scott Fitzgeralds Meisterwerk mit hochkarätiger Besetzung - Leonardo DiCaprio gibt den enigmatischen Gatsby, Carey Mulligan spielt die hinreißend kokette Daisy - noch getoppt wird. Ein Oscar in Sachen Ausstattung ist dem furiosen Spektakel sicher!
Knisternder Chiffon, fließende Seide, Satin in zarten Pastelltönen, schimmernde Perlenketten, die sich in mehrreihigen Kaskaden um zarte Frauenhälse schmiegen, schwingende kurze Säume, unter denen wohlgeformte Beine frivol hervorlugen, kesse, mit Stirnbändern geschmückte Bubiköpfe, Straußenfederboas, freche Riemchenschuhe - und Männer, in nonchalante pastellfarbene Sommerleineneleganz oder nachtschwarze Smokings gehüllt.
"Der große Gatsby" ruft zahllose Bilder und kulturelle Anspielungen ins Gedächtnis. Es gibt nur wenige Zeiträume in der modernen Geschichte, die stilistisch solch einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben wie die wilden Zwanziger. Kein Wunder, dass der verwegen-elegante Gatsby-Look in den Frühlings-Sommer-Kollektionen eine neue Welle kapriziöser Nostalgie auslöst, verschwand er doch nie ganz aus dem kollektiven Modebewusstsein.
Coco Chanel war eine Vorreiterin dieses Stils, der nach dem Verschwinden von Korsett und Krinolinen die weibliche Figur charmant umspielte. Und Josephine Baker, Kabarettsensation und Muse von F. Scott Fitzgerald, wurde mit ihren gewagten Tanzkleidern zum It-Girl der frühen 1920er. Flappers nannte man diese jungen, hinreißend kecken Frauen, die sichtlich Spaß am Leben hatten, Charleston tanzten, ihren unanständig verführerischen Mund mit reichlich Gin benetzten, lasziv rauchten und flirteten. In "The Great Gatsby" sind sie Sinnbild für vages Glücksversprechen, frivole Flatterhaftigkeit und die Fragilität des "American Dream".
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