In vielen Branchen gibt es Franchise: Kosmetik, Friseur, Baumarkt, Tierzubehör, Handyshops, Bekleidung, Lebensmittel, Gastronomie, Werbung etc. Erst hört sich alles gut an: Man startet in die Selbstständigkeit und muss dabei nicht bei null anfangen, weil man sich auf das Netzwerk einer bereits eingeführten Marke und ein erprobtes Konzept verlassen kann. Demgegenüber können dafür starre Regeln, fehlendes Mitspracherecht, Stolperverträge, hohe Investitionen und das Tragen des vollen Risikos stehen.
"Sofort kam ein Schreiben vom Anwalt"
Hermann N. (Name geändert) ist ein ehemaliger Franchisenehmer. Am Anfang hat es auch bei ihm gut ausgesehen. Erst nach und nach kam er den Machenschaften seines Franchisegebers auf die Schliche. Da war zum Beispiel das Buchhaltungssystem, das sich jahrelang zu seinen Ungunsten verrechnet hatte. "Dieses zu kaufen und zu verwenden war Pflicht", schildert er. Auch die Lieferanten waren vorgegeben - und die verrechneten ihm für die Produkte teils einen doppelt so hohen Preis wie normal. Die Differenz ging an den Franchisegeber. Auch das bemerkte der Franchisenehmer erst viel später und nur durch Zufall.
Er wollte aus dem Vertrag aussteigen. "Sofort kam ein Schreiben vom Anwalt und die Androhung weiterer finanzieller Konsequenzen. Man wollte die von mir aufgebauten Standorte ablösefrei zurückhaben. Ich hätte sämtliche Investitionen verloren!" Herr N. musste den Gerichtsweg bestreiten.
Fehlt in Österreich Franchisegesetz?
Er ist kein Einzelfall. Viele Franchisenehmer sind in ähnliche Stolperfallen getappt und damit ins finanzielle Aus. Was den Betroffenen sauer aufstößt, dass sie im Problemfall keine eigene Interessensvertretung haben. Als Unternehmer gehören sie zur Wirtschaftskammer. Wie auch die Franchisegeber...
Zweifellos sind viele Karrieren als Franchisenehmer erfolgreich. Man sollte sich der Risiken aber im Vorfeld bewusst sein und Verträge bei Zweifeln von unabhängigen Experten erklären lassen. In manchen Ländern gibt es aufgrund der immer beliebter werdenden Geschäftsform bereits eigene Franchisegesetze.
"Man will Problemen vorbeugen. Vorvertragliche Aufklärungspflichten und konkrete Spielregeln wären wünschenswert. Von Fairplay haben beide Seiten was", so ein Rechtsexperte. In Österreich sehen weder Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl noch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner Bedarf für ein Gesetz. Die Rahmenbedingungen seien ohnehin durch verschiedene Regelungen vorgegeben. Nicht nur Herr H. dürfte da anderer Meinung sein...
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