"Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions League zurücktreten", erklärte der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende weiter. Hoeneß rechnet jedenfalls nicht damit, dass ihm das Kontrollgremium der FC Bayern AG nahelegen werde, die Ämter zumindest bis zur Klärung der Sache ruhen zu lassen. "Aus heutiger Sicht nein, aber ich kann die Entwicklung der nächsten Tage nicht voraussehen", betonte er.
Der neunköpfige Aufsichtsrat tagt am Montag in München. "Das ist eine Entscheidung, die nur Uli Hoeneß gemeinsam mit dem Aufsichtsrat fällen kann", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der "Bild am Feiertag".
Einblicke in sein Seelenleben gewährt
In dem Interview mit der "Zeit" hat Hoeneß auch voller Reue Einblick in sein Seelenleben gewährt und seinen FC Bayern gegen jeden Verdacht in Schutz genommen. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum deutschen Rekordmeister schloss der Bayern-Präsident aus. "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß", sagte der 61-Jährige dem Blatt.
"Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist. Ich schlafe sehr schlecht", sagte Hoeneß. Trotz des Wirbels hatte er aber die Reise zum Champions-League-Halbfinalrückspiel der Münchner beim FC Barcelona am Mittwoch angetreten. Der Bayern-Patriarch betonte: "Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch."
Er wolle seinen Fehler "so gut wie möglich korrigieren", sagte Hoeneß, der einräumte, mit seiner plötzlichen Rolle als Buhmann ein "großes Problem" zu haben. "Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu."
Jahrelang "richtig an der Börse gezockt"
Erstmals gab er auch Einblicke in seine Börsen-Spekulationen. "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin", erklärte Hoeneß. Nach dem Platzen der Internetblase am Finanzmarkt habe er schwere Verluste eingefahren.
Der frühere Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus habe ihn mit Geld unterstützt. "So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes", sagte Hoeneß. Schließlich habe er aber zu viele Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.
Er halte sich nicht für krank, versicherte der frühere Nationalspieler. "Zumindest heute nicht mehr. Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann. Ein paar Jahre lang war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert", erklärte Hoeneß.
Überrascht vom Bekanntwerden der Selbstanzeige
Der Bayern-Präsident zeigte sich überrascht vom Bekanntwerden seiner Selbstanzeige. Er sei lange davon ausgegangen, keine Strafverfolgung befürchten zu müssen. Am 20. März habe jedoch morgens um sieben Uhr die Staatsanwaltschaft an der Tür seines Hauses am Tegernsee geläutet. "Da begann die Hölle für mich", sagte er. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber gegen die Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Vollzug gesetzt wurde.
In dem Interview reagierte Hoeneß auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich über ihren Sprecher "enttäuscht" vom Bayern-Spitzenfunktionär gezeigt hatte. "Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist", sagte Hoeneß.
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