Carpe diem

Sophie pfeift auf den Krebs: “Heute bin ich blond”

Kino
24.04.2013 15:33
Dem Tod geweihte Krebspatienten begegnen ihrem ausweglosen Schicksal in Filmen und Literatur häufig mit selbstzerstörerischer Wut. So wie beispielsweise der Teenager Don in "Am Ende eines viel zu kurzen Tages" oder Jessica Schwarz in "Heiter bis wolkig", die mit gnadenloser Rücksichtslosigkeit ihrer Umwelt gegenüber auftritt. "Heute bin ich blond" (Kinostart: 25. April) erzählt von einer anderen Herangehensweise: Die 21-jährige Sophie reagiert mit unerschrockener Lebenslust auf die vernichtende Diagnose - und gewinnt.

Ausgelassen feiern zwei junge Frauen in Antwerpen Silvester, sie trinken, schmeißen sich an die Männer heran. Sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich. Gemeinsam planen sie eine WG in Hamburg. Sophie (Lisa Tomaschewsky) will ihr Studium beginnen. Doch am Neujahrsmorgen wacht sie nicht nur mit einem schweren Kater auf, sondern auch mit einem seltsamen Husten und einem ebensolchen Schmerz im Oberkörper. Zurück in Hamburg beginnt eine Odyssee von Arzt zu Arzt, bis die Diagnose feststeht: Krebs.

Der vielseitige deutsche Regisseur Marc Rothemund hat sich an den gleichnamigen autobiografischen Roman der Niederländerin Sophie van der Stap gewagt und trifft dabei den Ton der Buchvorlage und wohl auch der Autorin selbst. Fast unerschrocken und voller Lebensfreude trotzt die junge Frau der Krankheit, hört nicht auf, in derben Sprüchen über Sex und ihren körperlichen Verfall zu sprechen, sich in Discos sinnlos zu betrinken und in Flirts zu stürzen. 

Vor allem aber will Sophie nicht hinnehmen, mit einer 08/15-Perücke wie eine Playmobilfigur auszusehen. Nach und nach legt sie sich immer mehr Perücken zu, die sie jeweils zu einer anderen Frau machen. Sie spielt mit den verschiedenen Charakteren und entdeckt zugleich die verschiedenen Seiten an sich. So gerät der Kampf gegen den Krebs auch zu einem sehr unterhaltsamen und gleichzeitig ernsten Selbstfindungstrip.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Regisseur Rothmund zeichnet ein differenziertes Bild vom wechselvollen Seelen- und Liebesleben seiner Protagonistin, die ihren Ängsten zum Trotz ihr Frau-Sein in Relation zu immer neuen Haarfarben setzt und dabei ihre Wirkung auf ihre Umwelt - ja, auch auf Männer - testet. Ein Film, der die Hilflosigkeit gegenüber der Krankheit nie übertüncht, aber dennoch einen optimistischen Grundton anschlägt. Carpe diem.

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