Drei Mrd. Bausteine

Forscherteam hat Quastenflosser-Erbgut entziffert

Wissen
17.04.2013 19:00
Forscher haben das Erbgut des urtümlichen Quastenflossers (Bild) entziffert und damit eine wichtige Frage der Evolutionsforschung gelöst. Viele Jahre war es ein Rätsel, welche heute noch lebende Fischart am nächsten mit dem Wirbeltier verwandt ist, das vor Millionen von Jahren das Wasser verlassen hat und an Land gekrochen ist.

Bisher habe es in der Wissenschaft zwei heiße Kandidaten dafür gegeben: den Quastenflosser und den Lungenfisch, schreibt die Universität Würzburg. Mit der Arbeit des Forscherteams sei nun klar: Der Lungenfisch ist mit den ersten Landwirbeltieren etwas näher verwandt.

Erbgut von "größtem Interesse"
Für die Wissenschaft sei das Erbgut des Quastenflossers trotzdem von "größtem Interesse", erläuterte der Professor für Physiologische Chemie am Biozentrum der Universität Würzburg, Manfred Schartl. Auch wenn der Lungenfisch näher mit den Landwirbeltieren verwandt sei, repräsentiere der Quastenflosser einen der Vorfahren von Amphibien, Reptilien, Vögeln und auch von Säugetieren - an ihm lasse sich die Evolution in einzigartiger Weise studieren. Etwa 90 Experten aus rund 40 Instituten haben an der Entzifferung mitgearbeitet und berichten darüber im Fachjournal "Nature".

Das Team verglich einzelne Gene von Quastenflosser, Lungenfisch und verschiedenen Landtieren. Ein Fokus der Untersuchungen war die Frage, welche Gene verloren gingen oder hinzugewonnen wurden, als aus Fischen Landbewohner wurden. Dabei haben sich neben Organen und Gliedmaßen unter anderem auch der Geruchssinn und das Immunsystem verändert.

Tier galt lange Zeit als ausgestorben
Wegen des Fehlens fossiler Nachweise galten die Quastenflosser seit dem Ende der Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren als ausgestorben. Erst 1938 identifizierte eine Expertin in Südafrika jedoch erstmals ein Exemplar der heute noch lebenden Tierart, das Fischer gefangen hatten. Inzwischen sind nach Uni-Angaben etwas mehr als 300 dieser Tiere, die man deshalb als "lebende Fossilien" bezeichnet, nachgewiesen worden. 

Die heutigen Quastenflosser seien ihren mehr als 300 Millionen Jahre alten Vorfahren sehr ähnlich. "Wir wissen, dass im Genom des Quastenflossers Mutationen sehr viel seltener auftreten als bei den meisten anderen Lebewesen", sagt Schartl.

Genom aus drei Milliarden Bausteinen
Aus diesem Grund konzentriere sich die Forschung nun auch nicht auf den Lungenfisch, obwohl dieser mit dem ersten Landlebewesen noch enger verwandt sei als der Quastenflosser. Zudem sei das Lungenfisch-Genom sehr viel größer. "Während das Quastenflosser-Genom aus rund drei Milliarden Bausteinen zusammengesetzt ist, sind es beim Lungenfisch geschätzte 100 Milliarden", heißt es bei den Forschern.

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