Auch Adoption legal

Parlament in Paris beschließt Gesetz zur Homo-Ehe

Ausland
12.04.2013 14:01
Homosexuelle Paare dürfen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren. Nach der Nationalversammlung bewilligte am Freitag auch der Senat ein umstrittenes Gleichstellungsgesetz der sozialistischen Regierung - womit die "Homo-Ehe" nun offiziell die letzte legale Hürde genommen hat. Im Kern des Gesetzes heißt es: "Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen und gleichen Geschlechts."

In dem Gesetz wird lesbischen Paaren allerdings kein Zugang zur künstlichen Befruchtung gewährt - anders als von den sozialistischen Abgeordneten zunächst gefordert. Eine entsprechende Regelung wollen die Sozialisten nun in einem neuen Familiengesetz verankern. Die Opposition und die katholische Kirche wollen das unbedingt verhindern. Sie sehen darin einen ersten Schritt zur Legalisierung der in Frankreich verbotenen Leihmutterschaft.

Vertreter des französischen Regierungslagers zeigten sich nach der Abstimmung erleichtert. "Das ist ein emotionaler Moment. Wir verteidigen die Familie, auch wenn sie unterschiedliche Gesichter zeigt", sagte die sozialistische Abgeordnete Dominique Bertinotti. Justizministerin Christiane Taubira meinte, das Gesetz habe die Aufgabe, alle Bürger gleich zu behandeln. Sie dankte allen, die für das Projekt stimmten.

Franzosen gespalten
Das Thema spaltet die französische Gesellschaft. In den vergangenen Wochen gingen Hunderttausende Demonstranten für oder gegen das Gesetz auf die Straße (siehe Infobox). Veranstalter sprachen sogar von 1,4 Millionen Teilnehmern an verschiedenen Kundgebungen alleine im März. Für den 26. Mai ist eine erneute Großdemonstration gegen das Gesetz in Paris geplant.

Die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gehörten zu den Wahlversprechen von Präsident Francois Hollande. Die überwiegend katholischen Franzosen stehen allerdings keineswegs geschlossen hinter der Linie des Staatschefs. Nach jüngsten Umfragen ist lediglich eine knappe Mehrheit für die Homo-Ehe (53 Prozent), das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wird mehrheitlich abgelehnt (56 Prozent).

Frankreich folgt Niederlanden, Belgien, Spanien, Schweden, UK
In den vergangenen Jahren haben mehrere europäische Staaten die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. Den Anfang machten die Niederlande, die die Ehe zwischen Homosexuellen 2001 als erstes Land weltweit beschlossen. Es folgten unter anderem Belgien 2003, Spanien 2005 und Schweden 2009. Anfang Februar stimmte auch das britische Unterhaus für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, das Oberhaus muss noch zustimmen. In Österreich existiert seit drei Jahren die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft.

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