Prozessauftakt

Tiroler Polizist: “Ein fingierter Goldraub war das Ziel”

Österreich
09.04.2013 17:00
Es hätte wohl das perfekte Verbrechen werden sollen. Eines, das mit acht Kilogramm Gold beginnt und mit dem gemeinsamen Traum mit der Geliebten endet. Auf Mallorca. Stattdessen wurde es einer der spektakulärsten Kriminalfälle dieses Landes, mit einem Polizisten unter Mordanklage und einer Bankfilialleiterin, die den Plan mit ihrem Leben bezahlte. Am Innsbrucker Landesgericht begann am Dienstag der auf sechs Tage angesetzte Prozess. "Ein fingierter Goldraub war das Ziel", erklärte dabei der Verdächtige.

Der weiße Mercedes von Erika H. (49) war am Morgen des 16. März 2012 auf einem Forstweg in Wiesing im Tiroler Unterland entdeckt worden (siehe auch Storys in der Infobox). Er stand mitten auf dem Weg, die 49-Jährige hing auf dem Fahrersitz in den Gurten, das Wageninnere war teils verbrannt. Erika H. war an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.

Offensichtlich sollte die Leiche aber verbrannt werden. Denn sie war mit Benzin übergossen. Doch das Feuer erlosch. Dies war bereits am Abend zuvor oder in der Nacht geschehen, attestierte der Gerichtsmediziner nach der Auffindung der Leiche, und die Spurensicherer entdeckten Dinge, die die Alarmglocken schrillen ließen: Reste des Betäubungsmittels Chloroform, ein Tuch, eine Signalfackel, Benzin.

Acht Kilogramm Gold verschwunden
Als die Ermittler das Umfeld der 49-Jährigen näher unter die Lupe nahmen, wurde das Verbrechen immer mehr zu einem der spektakulärsten Tirols: Die Frau war Filialleiterin einer Bank im Zillertal und hatte am Vorabend mit acht Kilogramm Gold die Filiale verlassen. Von den Barren im Wert von rund 333.000 Euro fehlt noch immer jede Spur.

Vier Tage später geriet der Polizist Heinz S. (52), der zunächst nur als Zeuge vernommen worden war, in Verdacht, weil er noch am Abend telefonischen Kontakt mit dem Opfer hatte. Er verwickelte sich in Widersprüche, wurde verhaftet und versuchte dann sogar zu fliehen. Auf der Flucht aus dem Landespolizeikommando in Innsbruck konnte er sich die Waffe eines Kollegen aneignen, und damit soll er sogar versucht haben, einen Polizisten zu erschießen. Nur durch einen glücklichen Zufall löste sich kein Schuss.

Pyrotechniker und Geliebter des Opfers 
Viele weitere Details sprechen laut Anklage gegen den - nunmehr suspendierten - Polizisten: Er war Sprengstoffexperte sowie Pyrotechniker, er hatte eine intime Beziehung zu Erika H. und man fand bei ihm genau jene Utensilien, die im Wagen entdeckt worden waren: Chloroform und Signalfackeln desselben Fabrikats.

120 Zeugeneinvernahmen folgten, zwölf Mal wurde der 52-Jährige verhört, diverse Sachverständige gehört. Daraus "bastelte" Staatsanwalt Markus Grüner die Anklage. Sie lautet auf Mord, Mordversuch und Raub.

"Erika H. war zuverlässig, loyal, gewissenhaft und fürsorglich. Niemand kann sich vorstellen, dass sie Geschäfte außerhalb der Bank machte", führte Grüner aus. Es sei denn, sie vertraute jemandem. "Deshalb hat sie sich am Abend des 15. März vom Angeklagten verleiten lassen, mit wertvollen Goldbarren zu einem abgelegenen Waldstück zu fahren." Was dort passierte, ist unklar. Für Grüner aber steht fest, dass S. die Frau tötete und mit dem Gold verschwand. Doch das perfekte Verbrechen scheiterte am Tod der Frau. Und an Indizien.

Gemeinsamer Coup für neues Leben auf Mallorca 
Das perfekte Verbrechen wollte der Beschuldigte offenbar tatsächlich. Doch ganz anders als angeklagt. Er wollte es gemeinsam mit Erika H.: "Ein fingierter Goldraub war das Ziel. Und mit der Beute die Eröffnung eines Fahrradverleihs auf Mallorca." Die Idee zum vorgetäuschten Raub sei von ihr gekommen, er habe ihr die dazu notwendigen Utensilien besorgt - "damit war mein Teil erledigt", sagt der Angeklagte.

Der Rest sei Sache der 49-Jährigen gewesen. Sie hätte sich so lange mit Chloroform betäuben wollen, bis ihr schlecht wurde. Dann wollte sie die Signalfackeln ins Auto werfen und zu einem nahe gelegenen Café laufen, um Hilfe zu holen. "Ich war nie am Tatort, ich habe keine Ahnung, was sich dort abspielte."

Was in den Abendstunden des 15. März auf dem abgelegenen Forstweg tatsächlich passiert war - darüber wird wohl nie Klarheit herrschen. Denn es gibt keine Tatzeugen. Die acht Geschworenen müssen im Mai nach sechs Verhandlungstagen eine Entscheidung fällen.

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