Neue Drohgebärde

Nordkorea will Atomreaktor wieder in Betrieb nehmen

Ausland
02.04.2013 19:13
Derzeit vergeht kein Tag, ohne dass das Regime in Pjöngjang mit neuen Drohgebärden von sich Reden macht: Als jüngste Provokation hat Nordkorea am Dienstag die Wiederinbetriebnahme seines 2007 abgeschalteten Atomreaktors in Yongbyon angekündigt. Die Maßnahme sei Teil einer Politik der "qualitativen und quantitativen Stärkung der atomaren Streitkraft", sagte ein Atomenergiesprecher laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA. Machthaber Kim Jong Un bezeichnete indessen Atomwaffen als Garant für die Souveränität des Landes.

Sämtliche Anlagen in Yongbyon (im Bild eine Satellitenaufnahme der Anlage aus dem Jahr 2002) sollen "nachjustiert und neu gestartet" werden. Außerdem diene die Wiederinbetriebnahme des Reaktors dazu, die "akute" Energielücke mit ihren Stromausfällen zu schließen, teilte der Atomenergiesprecher am Dienstag mit. 

Der knapp hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegene Reaktor war im Sommer 2007 nach Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) abgeschaltet worden - was von der Internationalen Atomenergiebehörde bestätigt wurde. In dem Fünf-Megawatt-Reaktor wurde Plutonium produziert, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte. Zu dem Komplex gehören auch eine stillgelegte Anlage für Uran-Anreicherung. Der Kühlturm der Anlage war im Juli 2008 medienwirksam gesprengt worden (Bild).

Kim: "Atomwaffen als Grundlage für Wohlstand"
Machthaber Kim Jong Un machte indessen in einer Rede vor dem Zentralkomitee der herrschenden Arbeiterpartei erneut seine Position in Sachen Atomwaffen deutlich. Diese seien Garant für die Souveränität Nordkoreas, würden der Abschreckung dienen und seien Grundlage für Wohlstand, sagte Kim. Die Rede hatte er bereits am Sonntag gehalten, der Inhalt wurde aber erst am Dienstag von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht. In der modernen Geschichte sei kein Land angegriffen worden, das über Atomwaffen verfüge.

Beobachter vermuten, dass Nordkorea derzeit ausreichend spaltbares Material hat, um bis zu acht Atombomben zu bauen. Das Institute for Science and International Security geht davon aus, dass der Norden bis 2016 über genug waffenfähiges Uran für 21 bis 32 Nuklearwaffen verfügt, sollte es auch die Zentrifuge in Yongbyon zur Uran-Anreicherung nutzen. Unklar blieb, wie lange es dauern würde, bis die Anlage in Yongbyon wieder in Betrieb gehen könnte.

China "bedauert" Atomreaktor-Ankündigung
China nahm die Ankündigung zur Wiederinbetriebnahme Yongbyons am Dienstag "mit Bedauern" zur Kenntnis. "Wir rufen alle beteiligten Seiten auf, Ruhe zu bewahren und Zurückhaltung zu üben", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei. Die derzeitige Lage sei "kompliziert" und "sensibel". China trete jedoch weiterhin für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sowie für Frieden und Stabilität in der Region ein, betonte der Sprecher.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Seiten zur Vorsicht auf. "Die Dinge müssen anfangen, sich wieder zu beruhigen", sagte der Südkoreaner am Dienstag. "Die Situation wird verschlimmert durch Mangel an Kommunikation und könnte zu einem Pfad führen, den niemand gehen will." Er sei "zutiefst besorgt", sagte Ban weiter. "Die Krise ist schon zu weit fortgeschritten. Nukleare Drohungen sind kein Spiel." Der Konflikt könne nur durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden, so der UNO-General.

Südkorea den Krieg erklärt
In den vergangenen Tagen hatte sich der Ton im Konflikt zwischen Nord- und Südkorea verschärft. Südkorea drohte dem kommunistischen Norden im Falle eines Angriffs mit einem massiven und raschen militärischen Gegenschlag, nachdem Pjöngjang dem Süden den Kriegszustand erklärt hatte (siehe Infobox). In den Tagen zuvor hatte das Regime von Machthaber Kim Jong Un Südkorea und dessen Verbündeten USA wiederholt mit einem Angriff gedroht. Nach Erkenntnissen der USA gebe es allerdings keine Hinweise auf eine großangelegte Mobilmachung Nordkoreas.

USA entsenden Tarnkappenjets und installieren Radarstation
Inmitten der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel schickten die USA ihrem Verbündeten Südkorea am Wochenende zwei Kampfjets und einen mit Raketen bestückten Zerstörer. Zuvor hatten die USA bereits zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber auf die koreanische Halbinsel entsandt.

Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass die Amerikaner auch eine schwimmende Radarstation in der Region in Stellung bringen werden. Die Plattform werde östlich von Japan eingesetzt und könne Raketenangriffe entdecken, hieß es aus Verteidigungskreisen in Washington. Die zum Teil im Wasser versenkbare Radarstation mit einer gigantischen weißen Kuppel könne den Abschuss von Raketen aufspüren und anschließend deren Flugbahn nachverfolgen.

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