100 Jobs betroffen

AUA spart weiter: Tyrolean-Zentrale macht dicht

Wirtschaft
27.03.2013 16:45
Die Rationalisierungen im AUA-Konzern gehen weiter. Diesmal sind Jobs bei der Konzerntochter Tyrolean betroffen. Die Innsbrucker Verwaltungszentrale wird aufgelassen, die Geschäfte werden auf den zweiten Tyrolean-Verwaltungsstandort in Wien übertragen. In Innsbruck sind davon mehr als 100 Mitarbeiter betroffen. Arbeiterkammer und ÖGB sind empört.

Den Mitarbeitern werde angeboten, nach Wien zu übersiedeln, teilten die Austrian Airlines am Mittwoch mit. Wer nicht mitgeht, könne einen Sozialplan in Anspruch nehmen, so Tyrolean-Chef Klaus Froese (li.) und AUA-Boss Jaan Albrecht (re.). Die Verwaltungskonzentration in Wien soll in einem Jahr über die Bühne sein, Doppelgleisigkeiten sollen beseitigt werden. Albrecht sprach von einem "mutigen und zugleich schmerzhaften" Schritt. Froese habe für sein Sparkonzept die vollste Unterstützung des AUA-Vorstands.

"Die meisten Mitarbeiter von Tyrolean arbeiten heute in der Luft und in Wien", erklärte Froese. Nun wird unter anderem die Crew- und Verkehrssteuerung in der Bundeshauptstadt konzentriert. In Tirol bleiben laut AUA unter anderem Technik und Flugzeugwartung der Tyrolean, die Crewbasis sowie das Call Center.

Betriebsrat am Zug
Die Modalitäten der Sozialpläne sollen mit den Betriebsräten ausgearbeitet werden. Thomas Steiner, der Betriebsratschef des kaufmännisch-technischen Personals der Tyrolean, sagte, dass alle Beschäftigten in Innsbruck "schwer enttäuscht" seien. Man sei vom Ausmaß der Entscheidung "überrascht".

Steiner hätte laut eigenen Angaben nicht gedacht, dass die gesamte Verwaltungszentrale aufgelassen werde. Man werde jetzt mit den Beschäftigen sprechen, eine Mitarbeiterversammlung abhalten und weitere Maßnahmen beraten. "Ich glaube aber persönlich leider nicht, dass diese Entscheidung noch umzudrehen sein wird", meinte Steiner.

AK-Präsident schäumt
Deutliche Worte fand Tirols Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl nach der AUA-Ankündigung: Zangerl sprach von einem "Anschlag" auf die Tyrolean, die voriges Jahr noch die Rettung der AUA gewesen sei. Dass die Tyrolean-Belegschaft in Innsbruck alle Sparmaßnahmen des Konzerns vorbildlich mitgetragen habe und "jetzt mit der Schließung bestraft" werde, erzürnt den AK-Chef: "Eine zutiefst miserable Art der AUA-Spitze", kommentierte Zangerl.

Ausgerechnet jener Betrieb, der aufgrund guter Leistungen und fleißiger Mitarbeiter das Gesamtunternehmen AUA gerettet habe, werde nun nach getaner Schuldigkeit "zugunsten der Wien- und Niederösterreich-lastigen AUA geopfert". Zangerl erwartet politische Schützenhilfe vom Land.

ÖGB: "Lügenbarone"
Auch die Gewerkschaft schließt sich der heftigen Kritik an: Der ÖGB Tirol kritisierte, dass "Lügenbarone" die Beschäftigten an der Nase herumgeführt hätten. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft vida, Günther Mayr, zeigte sich "enttäuscht über das traurige Ende in der Causa Tyrolean".

Heftige Kritik übte Mayr am Kurs der verantwortlichen Manager. "Die Art und Weise, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wurde, ist ein Skandal. Über solche Einschnitte muss man bereits länger im Bilde gewesen sein", sagte der Gewerkschafter. Anstatt mit den betroffenen Beschäftigten Klartext zu reden, sei Albrecht noch mit einer Standortgarantie hausieren gegangen, bekrittelte Mayr.

Platter appelliert an Albrecht
Landeshauptmann Günther Platter richtete einen Appell an Albrecht, "zu seinen Ankündigungen zu stehen und Handschlagqualität zu wahren". Der ÖVP-Politiker erinnerte den AUA-Manager daran, dass die Tyrolean vor drei Monaten noch als Retter der AUA gepriesen und der Ausbau des Standortes Innsbruck "vollmundig angekündigt" worden sei.

Nun sei jedoch "die Katze aus dem Sack gelassen" worden, meinte der Landeschef. "Hochqualifizierte Arbeitsplätze werden von Tirol nach Wien verlagert, hochkompetente und motivierte Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen sowie Wertschöpfung und Steueraufkommen in den Zentralraum Wien umgeleitet", kritisierte Platter.

Ende 2012 beschäftigte die AUA 6.236 Mitarbeiter. Rund 400 davon arbeiteten in Innsbruck. Mit dem umstrittenen Flugbetriebsübergang von Austrian auf Tyrolean (siehe Infobox) ist im vergangenen Jahr arbeitsrechtlich auch das fliegende Personal der AUA auf Tyrolean übergegangen.

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