12.03.2013 19:10 |

Flughäfen lahmgelegt

Wintereinbruch stürzt Teile Europas ins Chaos

Die Rückkehr des Winters hat in Teilen Europas zu verheerenden Folgen geführt. Zwei Kältetote, viele Haushalte ohne Strom, blockierte Autos und Züge sowie Flugausfälle lautet beispielsweise eine erste Bilanz für Frankreich. Premierminister Jean-Marc Ayrault richtete am Dienstag einen Krisenstab zur Bewältigung des Winterchaos ein, um "Sicherheit und Fortbewegung im ganzen Land zu gewährleisten".

Nach einem Temperatursturz und heftigen Schneefällen starb in Saint Brieuc im Nordwesten Frankreichs in der Nacht auf Dienstag ein Mann in der Kälte, ein weiterer Kältetoter kam im Laufe des Tages dazu. Rund 100.000 Haushalte waren weiter ohne Strom, die meisten davon in der Bretagne und der Normandie. Ebenfalls im Norden bei Calais und im Departement Manche wurden mindestens 1.300 Autos eingeschneit. Menschen mussten nach Angaben der zuständige Präfektur bis zu 15 Stunden in ihren Fahrzeugen ausharren.

Ein TGV mit rund 400 Passagieren wurde bei Amiens von den Schneemassen blockiert. Das Bahnunternehmen SNCF riet Reisenden davon ab, mit dem Zug nach Paris zu fahren. Täglich kommen etwa sieben Millionen Menschen per Bahn in die Hauptstadt. Auch der Eurostar nach London war betroffen. Zudem mussten zahlreiche Flüge auf französischen Flughäfen annulliert werden. Auf dem Pariser Flughafen Orly rutschte ein Flugzeug der Tunisair mit 140 Menschen an Bord bei der Landung von der Bahn. Verletzte gab es nicht.

Verkehrschaos in Belgien
Starke Schneefälle führten auch in Belgien zu einem Verkehrschaos. Betroffen seien vor allem der Zug- und Autoverkehr, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Die Hochgeschwindigkeitszüge Thalys, die Brüssel mit Frankreich, Deutschland und den Niederlanden verbinden, verkehrten gar nicht oder mit Verspätungen.

Außerdem waren die Flughäfen in Belgien vom Schneechaos betroffen, zahlreiche Flüge am größten Airport Brüssel Zaventem sowie in Charleroi waren verspätet, wurden umgeleitet oder fielen aus, der Flughafen Lüttich wurde der Agentur Belga zufolge ganz geschlossen. Die Regierung in Brüssel verschob laut Belga wegen der Verkehrssituation eine Sitzung um eine halbe Stunde.

Flughafen Frankfurt geschlossen
Wegen starken Schneefalls ist auch der Flughafen Frankfurt am Dienstag stundenlang geschlossen worden. Die Räumfahrzeuge kämen derzeit mit dem Räumen nicht nach, sagte ein Sprecher. Auch die Crews der Fluggesellschaften hätten wegen des Winterwetters Probleme, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Bis zum frühen Abend waren etwa zwei Drittel der etwa 1.200 Flüge ausgefallen. Der Flughafen stellte daher rund 1.500 Feldbetten auf.

Bei einer Massenkarambolage in Hessen stießen am Dienstag mindestens 100 Autos zusammen (Bilder 4 bis 7), darunter auch einige Lastwagen. Todesopfer gab es bei dem Serienunfall auf der A45 nahe Münzenberg nicht. Allerdings wurden mehrere Dutzend Menschen verletzt. "Während der Unfallserie herrschte starkes Schneetreiben und glatte Fahrbahn", sagte ein Polizeisprecher.

Chaos im Südosten Englands
Und auch nach Großbritannien ist der Winter zurückgekehrt: Hunderte Menschen verbrachten die Nacht auf Dienstag in ihren Autos auf den Autobahnen, weil Schneefälle und eisiger Wind die Straßen im Südosten Englands unbefahrbar gemacht hatten. Viele Autofahrer in Südengland sind auch im Winter mit Sommerreifen unterwegs, sodass zehn Zentimeter Schnee in den Grafschaften Kent und Sussex zu Hunderten Unfällen auf den Straßen führten. Dabei wurde niemand lebensbedrohlich verletzt, jedoch brauchten die Rettungsdienste Stunden, um die Verletzten zu erreichen.

Viele Straßen waren auch am Dienstag weiter gesperrt und nicht geräumt. Züge hatten Verspätungen, der Flughafen auf der Kanalinsel Jersey stellte den Betrieb ein. Der Eurostar zwischen Brüssel und London stand vorübergehend still. Meteorologen riefen den Montag zum kältesten Märztag seit 27 Jahren in Großbritannien aus.

Muss Österreich vor ähnlichen Wetterkapriolen zittern?
Der Winter wird in den kommenden Tagen für ein kurzes Gastspiel auch nach Österreich zurückkehren - so viel steht fest. Wie heftig er sich zeigen wird, darüber herrschte bei den Wetterexperten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Dienstag noch Rätselraten. Die Vorhersagemodelle für den Osten des Landes wechseln ständig, "von ein paar Flocken bis hin zum Schneechaos ist derzeit alles möglich", so ein Meteorologe.

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