Freundin getötet

Pistorius kommt gegen Kaution von 85.600 Euro frei

Sport
22.02.2013 16:09
Der unter Mordverdacht stehende südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius kommt gegen eine Kaution von einer Million Rand (85.600 Euro) auf freien Fuß. Wie Richter Desmond Nair am Freitag nach einer mehrtägigen Anhörung in Pretoria entschied, bestehe keine Fluchtgefahr. Zudem gehe von dem 26-Jährigen keine akute Gefahr für die Gesellschaft aus. Pistorius hatte am Valentinstag in seinem Haus seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen, die Staatsanwaltschaft legt ihm Mord zur Last.

Anklagebehörde und Polizei hatten sich entschieden gegen eine Freilassung von Pistorius gegen Kaution ausgesprochen: Es bestehe angesichts seiner Auslandskonten und eines Domizils in Italien Fluchtgefahr. Das sah der Richter nicht so, stellte aber klar, dass er mit seiner Anordnung nicht über die Schuld von Pistorius am Tod seiner Freundin entscheide. Das nächste Mal muss Pistorius am 4. Juni vor Gericht erscheinen.

Staatsanwalt: Lange Haftstrafe "nahezu garantiert"
Staatsanwalt Gerrie Nel sagte vor Gericht, Pistorius müsse sich darüber im Klaren sein, dass in seinem Fall eine lange Haftstrafe "nahezu garantiert" sei. Die Staatsanwaltschaft sei sicher, dass der beinamputierte Profisportler seine Freundin vorsätzlich ermordet habe.

Allerdings musste der ehemals leitende Ermittlungsbeamte in dem Fall, Hilton Botha, im Kreuzverhör des Pistorius-Anwalts Barry Roux zugeben, dass am Tatort keine Belege dafür gefunden worden seien, die den Darstellungen von Pistorius widersprechen. Der Sportler, der sein Gesicht erneut hinter einer Jacke versteckte, als er am Morgen beim Gericht eintraf, beteuert, dass es ein tragisches Versehen war und er die 29-Jährige für einen Einbrecher gehalten und in Panik durch die Badezimmertür erschossen habe.

Verteidigung kritisiert angebliche Ermittlungsmängel
Zudem kritisierte die Verteidigung angebliche Ermittlungsmängel der Polizei scharf. So musste Botha unter anderem zugeben, dass er keinen Schutz über den Schuhen getragen hatte, als er in jener Nacht das Haus von Pistorius zur Spurensicherung betrat. Eine Zeugin, die Hilferufe gehört haben will, wohnt 300 Meter von dem Haus entfernt. Außerdem hatte es geheißen, dass Pistorius nach den fatalen Schüssen nicht den Notarzt gerufen habe. Aus einer Niederschrift sämtlicher Anrufe beim Notarzt geht aber hervor, dass der Sportler sehr wohl angerufen und um Hilfe gebeten hatte.

Chefermittler wegen Mordversuch-Verdachts abgelöst
Die Kautionsentscheidung hatte sich in den vergangenen Tagen immer wieder verzögert - unter anderem dadurch, dass die Polizei am Donnerstag den bisherigen Chefermittler Botha wegen des Verdachts des mehrfachen Mordversuchs absetzen musste (siehe Infobox). Als leitender Ermittler wurde Vineshkumar Moonoo eingesetzt.

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