Zunächst nahm der Tag im Magistratsgericht von Pretoria aber seinen erwarteten Gang: Die Staatsanwaltschaft präsentierte entsprechend ihrer bisherigen Linie, wonach es sich bei der Bluttat um Mord handle, ihre Sicht der Dinge. Zudem wurde angekündigt, dass die Anklage um den Punkt des illegalen Besitzes von Munition erweitert werde. Bei Pistorius sei Munition für das Revolverkaliber .38 gefunden worden, für die der Sportler aber keine Lizenz habe.
Angebliche Ohrenzeugin wohnt 600 Meter entfernt
Wie Staatsanwalt Nel vor Gericht erklärte, liegen der Polizei zudem zwei belastende Zeugenaussagen vor. So habe ein ungenannter Mann in der Tatnacht zwischen 2 und 3 Uhr einen heftigen Streit zwischen Pistorius und seiner Freundin Reeva Steenkamp gehört. Eine Frau wiederum habe eine weibliche Stimme um Hilfe rufen hören – und dann drei Schüsse.
Der als "harter Hund" geltende Anwalt von Pistorius, Barry Roux, stürzte sich sogleich auf die Zeugenaussage der Frau. Auf die Frage von Roux, wo denn die angebliche Zeugin daheim sei, musste der Ermittler Botha verunsichert eingestehen, dass sie 300 Meter von Pistorius' Haus entfernt wohne - im ersten Moment hatte er gar von 600 Metern gesprochen.
Pistorius-Anruf bei Notrufzentrale dokumentiert
Dann fragte der Anwalt nach, ob Pistorius nach den fatalen Schüssen den Notarzt wirklich nicht selbst gerufen hatte. Das galt bisher als fix, denn mit keinem der beiden Handys, die am Tatort im Badezimmer gefunden wurden, war der Notruf gewählt worden. Die Polizei habe laut Botha allerdings auch gar nicht versucht herauszufinden, ob der Athlet nicht doch anderweitig Alarm geschlagen haben könnte. Daraufhin legte Roux eine Niederschrift sämtlicher Anrufe beim Notarzt vor. Darunter: "14. Februar, 3.20 Uhr, Frau mit mehreren Schussverletzungen. Anrufer: Oscar Pistorius."
Etikett von Testosteron-Präparat gar nicht richtig gelesen
Auch den vermeintlichen Fund des aggressivitätssteigernden Sexualhormons Testosteron konnte Roux beinahe ins Lächerliche ziehen. Ermittler Botha musste auf energisches Insistieren des Anwalts, dass es sich bei der beschlagnahmten Substanz um rezeptfrei erhältliche Pflanzenextrakte handle, zugeben, dass er das Etikett gar nicht richtig gelesen habe.
Ob Pistorius auf Kaution freikommt, darüber will das Gericht entgegen der ursprünglichen Ankündigung erst am Donnerstag oder Freitag entscheiden.
Pistorius wird des Mordes verdächtigt
Pistorius wird verdächtigt, seine Freundin, das Fotomodel Reeva Steenkamp, absichtlich erschossen zu haben. Seine Verteidigung erklärt, dies sei versehentlich geschehen. Das Drama um den 26-jährigen Athleten, der mit spektakulären Sprints auf Beinprothesen zum Star wurde, sorgt seit Tagen weltweit für Aufsehen. Bei den Paralympics 2012 gewann Pistorius über 400 Meter Gold und über 200 Meter Silber. Beim 100-Meter-Lauf kam er auf den vierten Platz.
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