Er habe bis zu seiner Verhaftung nicht gewusst, etwas Illegales getan zu haben, sagte der geständige Geschäftsmann dem US-Gericht, vor dem er sich wegen Softwarepiraterie mit einem Schadwert von 100 Millionen US-Dollar verantworten muss. Xiang Li drohen bei einer zu erwartenden Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.
Undercover-Agenten fassten Li auf Pazifikinsel
Vor rund fünf Jahren hatte Li damit begonnen, in Hacker-Foren nach Spezialsoftware zu suchen und diese von chinesischen Cyberkriminellen cracken zu lassen. Anschließend bot er die Software über mehrere Homepages, darunter seine Website Crack99.com, zum Verkauf an. Zwischen 20 und 1.200 US-Dollar verlangte Li für die verschiedenen Spezialprogramme, die regulär bis zu einer Million US-Dollar kosten würden.
Schnell wurden Ermittler auf den Mann aufmerksam, die ihn 2011 auf die Pazifikinsel Saipan lockten, um ihn dort festzunehmen. Sie hatten sich zuvor als potenzielle Kunden ausgegeben und bereits einige Programme von Li gekauft. Sie lockten ihn mit der Aussicht auf ein großes Geschäft nach Saipan, wo Li bei einem Treffen mit den vermeintlichen Geschäftspartnern mit 20 Gigabyte illegal beschaffter Software im Gepäck festgenommen wurde.
NASA-Ingenieur und Wissenschaftler unter Lis Kunden
Zu den Kunden des chinesischen Geschäftsmannes zählte laut "New York Times" unter anderem ein hochrangiger Ingenieur der US-Raumfahrtsbehörde NASA, der Spezialsoftware im Wert von 1,2 Millionen US-Dollar von Li kaufte.
Ein Wissenschaftler einer regierungsnahen Firma, die unter anderem Aufträge für das US-Verteidigungsministerium übernimmt, kaufte Programme im Wert von rund 600.000 US-Dollar. Beide Käufer erwartet nun ebenfalls ein Gerichtsverfahren. Außerdem unter Lis Kunden: Studenten, Erfinder und Firmenchefs.
Sogar militärische Software zur Kriegssimulation verkauft
Denkwürdig ist nicht nur der Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens, für den sich Li nun vor den US-Behörden verantworten muss, sondern auch die Art der raubkopierten Software. Unter den zeitweise bis zu 2.000 Programmen, die Li über seine Websites zum Verkauf angeboten hat, fanden sich auch hochspezialisierte Programme wie das "Satellite Tool Kit 8" von Analytical Graphics. Das Programm wird vom Militär und Geheimdiensten für dreidimensionale Simulationen von Kriegsschauplätzen eingesetzt und kostet normalerweise 150.000 US-Dollar.
Dass Li sich der Illegalität seiner Geschäfte nicht bewusst war, dürfte das Gericht anzweifeln. Die US-Fahnder, die Zugang zum für die Geschäfte genutzten Gmail-Account des Mannes erlangten, fanden E-Mails, die Li schwer belasten. So erklärte Li in einer Mail aus dem Jahr 2009 einem Kunden beispielsweise: "Ich bin kein Crack-Produzent, mein Job ist nur das Sammeln. Das ist eine internationale Organisation, die geschaffen wurde, um geheime Dokumente zu entschlüsseln." In einer anderen Mail erklärt er einem Kunden, dass er die Erlöse aus seinen Verkäufen nutze, um Cracker zu bezahlen, und selbst nur zehn Prozent einbehalte.
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