Mi, 22. August 2018

Geschäfte mit Waffen

18.12.2012 13:37

Schulmassaker wirft schlechtes Licht auf BAWAG-Eigentümer

Der US-Finanzinvestor Cerberus ist auch in Österreich ein Begriff. Der Hedgefonds hatte sich nach dem BAWAG-Skandal als Mehrheitsaktionär in das angeschlagene Geldinstitut eingekauft. Was hierzulande bislang weniger bekannt sein dürfte: Der Hersteller jenes Sturmgewehrs, mit dem vergangenen Freitag das Schulmassaker in Newtown verübt wurde, gehört ebenfalls Cerberus. Unter Beschuss geraten, will die Finanzgesellschaft den Waffenkonzern jetzt so schnell wie möglich loswerden.

Cerberus hatte den Waffenhersteller Bushmaster im Jahr 2006 gekauft und gemeinsam mit einer ganzen Reihe anderer Unternehmen, darunter der renommierten US-Waffenschmiede Remington, in der Freedom Group aufgehen lassen. Dank seiner geschickten Akquisitionsstrategie stieg der Finanzkonzern mit der Freedom Group binnen kurzer Zeit zum Big Player in der Waffenindustrie auf. Im Sortiment befindet sich alles, was das Waffenliebhaber-Herz begehrt: vom halbautomatischen Sturmgewehr über Munition bis hin zu kugelsicheren Westen.

Auch wenn der Anteil des Waffengeschäfts am 20-Billionen-US-Dollar-Gesamtportfolio von Cerberus gering sein dürfte - die Freedom Group vermeldete laut einem Reuters-Bericht für die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres 2012 einen Umsatz von rund 680 Millionen US-Dollar -, dürfte der Hedgefonds große Hoffnungen in den boomenden Waffenmarkt gelegt haben. So seien die Verkaufszahlen der Freedom Group heuer um satte 20 Prozent gestiegen, berichteten US-Medien.

Fonds sicherte sich großes Stück vom Waffen-Kuchen
"Der Markt wächst schneller, als die Industrie ihre Produktion steigern kann", teilte der Waffenhersteller noch vor Kurzem erfreut mit. Cerberus, so schien es, hatte sich mit der Freedom Group auf lange Sicht ein schönes Stück vom Waffen-Kuchen gesichert. Vor dem Hedgefonds hatte kein anderer großer Finanzinvestor es gewagt, sich bedeutend in die Waffenindustrie einzukaufen, berichtete die "New York Times" in einem Beitrag über die Geschäfte der Freedom Group im November 2011. Denn, so die Analyse der renommierten US-Tageszeitung, damit könnte man potentielle Anleger vergraulen. Das Management von Cerberus teilte diese Sorge offenbar nicht.

Cerberus nach Massaker im Visier der Kritik
Doch nachdem nun in den USA 20 Kinder mit einem Sturmgewehr vom Typ Bushmaster AR-15 aus dem Hause Freedom Group getötet wurden, dürfte auch der BAWAG-Haupteigentümer zu der Einsicht gekommen sein, dass Waffengeschäfte bei vielen Investoren nicht so gut ankommen. Nur wenige Tage nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule geriet Cerberus unter Druck. Medien begannen die Geschäfte der Freedom Group und in weiterer Folge auch des Eigentümers Cerberus ins Visier zu nehmen.

Reuters zufolge habe sich etwa der kalifornische Lehrerpensionsfonds CalSTRS, der mit Stand Ende März mehr als 750 Millionen Dollar bei dem Finanzinvestor angelegt hatte, wenig erfreut über die Waffengeschäfte gezeigt. Um größeren PR-Schaden zu vermeiden und das Abspringen von Anlegern zu verhindern, zog Cerberus knapp drei Tage nach dem Blutbad in Connecticut schließlich die Reißleine: Cerberus Capital Management trenne sich vom Waffenhersteller Freedom Group. Der Verkauf werde unverzüglich beginnen, teilte die US-Finanzgesellschaft am Dienstag mit.

Cerberus äußerte sich zudem in der Erklärung entsetzt über das Massaker in Newtown und bekundete seine Trauer. Die Freedom Group sei aber nicht für das Verbrechen verantwortlich. Keine Firma könne sinnlose Gewalt verhindern. Der Finanzinvestor betonte, nur Anlageentscheidungen für die Kunden zu treffen und nicht die Rolle von Politikern einzunehmen.

Bushmaster schon in Vergangenheit in den Schlagzeilen
Doch auch wenn Cerberus angesichts der jüngsten Tragödie seinen Ausstieg aus dem Waffengeschäft verkündet: Gewehr-Hersteller Bushmaster ist nicht zum ersten Mal in Zusammenhang mit Amokläufen in den Schlagzeilen. So hatte nur wenige Tage vor der Bluttat in Newtown ein junger Mann im Bundesstaat Oregon in einem Einkaufszentrum zwei Menschen erschossen - ebenfalls mit einem halbautomatischen Sturmgewehr AR-15.

Und auch der als "Washinton Sniper" berüchtigte und mittlerweile hingerichtete John Allen Muhammad beging 2002 seine Mordserie mit einem Sturmgewehr aus dem Hause Bushmaster. Damals zahlte der Waffenfabrikant den Angehörigen der Opfer mehr als eine halbe Million Dollar Schadenersatz - ohne freilich jegliche Verantwortung für die Morde einzugestehen.

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