Mo, 21. Jänner 2019

Eltern sind dagegen

17.12.2012 11:55

Doch keine Pflicht-Pornosperren in Großbritannien

Die kontrovers diskutierten Pornosperren in Großbritannien kommen doch nicht. Die zuständigen Ministerien haben die Pläne, Internetanschlüsse für Eltern mit Kindern automatisch mit solchen Sperren zu versehen, verworfen. Der Grund: Vonseiten der Eltern wurde der Entwurf nicht ausreichend unterstützt. Aktuelle Befragungen ergaben, dass nur 35 Prozent der britischen Eltern tatsächlich hinter dem Vorhaben stehen, Pornografie automatisch zu blockieren. Befürworter der Pornosperre sind enttäuscht.

Erst im November waren die Pläne der Regierung von Premierminister David Cameron bekannt geworden, künftig automatisch Pornosperren einrichten lassen zu wollen, wenn Eltern einen Internetanschluss anschaffen. Eine Umfrage des Unterrichtsministeriums nimmt den Befürwortern der Pornosperre jetzt den Wind aus den Segeln. Nur 35 Prozent der britischen Eltern sind für die Einführung der automatischen Sperren. 15 Prozent befürworten die teilweise Sperrung von Inhalten mit der Option, selbst weitere Filter einzurichten.

Aufklärung über freiwillige Filter statt Pflicht-Sperren
Statt die verpflichtenden Pornosperren einzuführen, will die Regierung nun die Internetprovider dazu animieren, die Eltern über freiwillige Möglichkeiten zu informieren, mit denen sie anzügliche Inhalte für ihre Anschlüsse sperren lassen können. Der vorige Entwurf (siehe Infobox) hätte vorgesehen, dass die Internetanschlüsse von Eltern automatisch mit Filtern versehen werden, die von den Betroffenen selbst eingerichtet werden müssen.

Die konservative britische Abgeordnete Claire Perry, die sich für die Einführung der verpflichtenden Pornofilter starkgemacht hatte, sei "enttäuscht" über die Entscheidung, berichtet die britische TV-Anstalt BBC. Es sei jedoch zu akzeptieren, dass sich eine Mehrheit der Eltern gegen die umstrittene Regelung ausgesprochen habe. Außerdem sei auch die Entscheidung zu begrüßen, die Provider vermehrt Aufklärungsarbeit über die Möglichkeiten hinsichtlich der Filterung von Online-Content leisten zu lassen.

Provider bieten auf Wunsch bereits Pornofilter an
Die vier größten Internetprovider Großbritanniens haben bereits eine Übereinkunft geschlossen, ihren Kunden die Wahlmöglichkeit anzubieten, Filter für ihre Internetanschlüsse einrichten zu lassen. Die britische Kinderschutz-Organisation NSPCC begrüßt diesen Schritt, fordert von den Providern jedoch zusätzlich, aktiv Werbung für diese Möglichkeiten zu machen. Man sei enttäuscht, dass vonseiten der Regierung keine weitergehenden Regelungen gefunden wurden, heißt es vonseiten der Organisation.

Gegner der verpflichtenden Pornosperren sind erleichtert. Nick Pickles von der Anti-Zensur-Organisation Big Brother Watch sagt: "Das ist ein positiver Schritt, der die richtige Balance zwischen Kinderschutz und elterlicher Verantwortung trifft, ohne Bürgerrechte oder die Meinungsfreiheit anzutasten." Laut dem Datenschützer seien immer noch die Eltern dafür verantwortlich, was ihre Kinder im Internet sehen und was nicht – nicht die Politik.

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