Mi, 20. Juni 2018

Sex-Affäre in Hotel

10.12.2012 21:35

Strauss-Kahn: Endlich Einigung mit Zimmermädchen

Anderthalb Jahre nach seiner vorübergehenden Festnahme wegen Vergewaltigungsvorwürfen in den USA hat der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (rechtes Bild) einen endgültigen Schlussstrich unter die Affäre gezogen. Ein US-Gericht billigte am Montag einen Vergleich zwischen Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo (li.). Nach der Einstellung des Strafverfahrens hat sich für den Franzosen nun auch die Zivilklage gegen ihn erledigt. Ein düsteres Kapitel ist damit geschlossen.

Zehn Minuten dauerte die Anhörung vor einem Gericht im New Yorker Stadtteil Bronx. Die Einzelheiten der finanziellen Vereinbarung seien "vertraulich", sagte Richter Douglas McKeon. Die französische Tageszeitung "Le Monde" hatte - wie berichtet - unter Berufung auf Vertraute Strauss-Kahns geschrieben, dass er Diallo sechs Millionen Dollar (4,6 Mio. Euro) zahlen wolle. Strauss-Kahns Anwälte wiesen diesen Bericht aber als "dramatisch inkorrekt" zurück. Diallo hatte eine Entschädigung in nicht genannter Höhe gefordert.

Der nun geschlossene Vergleich sei aber kein Schuldeingeständnis des Ex-IWF-Chefs, erklärten Strauss-Kahns Anwälte. "Wir sind froh, in dieser Sache zu einer Lösung gekommen zu sein", teilte einer von ihnen, William Taylor, mit. Strauss-Kahn war bei der Anhörung nicht anwesend. Mit der außergerichtlichen Einigung vermeiden beide Seiten einen langwierigen Prozess.

Diallo: "Ich danke allen, die mich unterstützen"
Das 33-jährige Zimmermädchen, verwitwete Mutter einer Tochter, erschien vor Gericht. "Ich danke allen, die mich unterstützen", sagte Diallo, die Kopftuch und einen schwarzen Mantel trug, nach der Anhörung. "Ich danke Gott, und Gott schütze euch." Ihr Anwalt Kenneth Thompson erklärte, seine Mandantin sei nun froh, mit ihrem Leben weitermachen zu können. Das Zimmermädchen beendete am Montag auch eine Zivilklage gegen die "New York Post" wegen Verleumdung mit einem finanziellen Deal - das Boulevardblatt hatte sie als Prostituierte dargestellt.

Was genau passiert ist, ist immer noch ungeklärt
Gut zwölf Kilometer südlich vom Gericht in der Bronx liegt die Hotelsuite, in der der tiefe Fall des international geachteten Finanzfachmanns begann. Diallo betrat am 14. Mai 2011 zur Mittagsstunde Strauss-Kahns Zimmer im Sofitel-Hotel im Herzen von Manhattan. Was dann geschah, ist noch immer unklar. Das Zimmermädchen wirft Strauss-Kahn vor, sich nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Auch habe er gewaltsam versucht, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Der Franzose erklärte dagegen, er habe mit der aus Guinea stammenden Frau einvernehmlichen Sex gehabt.

Strauss-Kahn wurde wenige Stunden später am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen, verbrachte zunächst einige Nächte auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island und wurde dann unter Hausarrest gestellt. Seinen Spitzenposten beim IWF musste er niederlegen, seine Hoffnungen auf eine Kandidatur bei den französischen Präsidentschaftswahlen begraben. Dann kam die überraschende Wende: Die Ermittler stellten das Strafverfahren im August 2011 ein, weil sich Diallo durch wiederholte Lügen unglaubwürdig gemacht hatte

An der Zivilklage hielt das Zimmermädchen, das seine Arbeit in dem Hotel nie wieder aufgenommen hatte, aber fest, Strauss-Kahn verlangte in einer Gegenklage Schadenersatz wegen Verleumdung. Anfang Mai machte Richter McKeon den Weg frei für einen Zivilprozess, bemühte sich aber zugleich um eine außergerichtliche Lösung. Ende November hätten schließlich ernsthafte Verhandlungen zwischen beiden Seiten begonnen, sagte er.

Ermittlungen wegen Zuhälterei in Frankreich
In Frankreich laufen aber noch Ermittlungen gegen Strauss-Kahn wegen bandenmäßig organisierter Zuhälterei. Der Franzose hatte an Sex-Partys unter anderem in Paris und Washington teilgenommen. Der 63-Jährige beteuert, er habe nicht gewusst, dass die Frauen Prostituierte waren. Kommenden Mittwoch soll ein Gericht im nordfranzösischen Douai über die Forderung von Strauss-Kahns Verteidiger entscheiden, das Verfahren einzustellen.

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