Sa, 20. Oktober 2018

Gute Beobachter

05.12.2012 23:00

Höhlenmaler waren viel genauer als moderne Künstler

Menschen der Altsteinzeit zeichneten die Bewegung laufender Vierbeiner häufig genauer als moderne Künstler. Das berichten ungarische Forscher um Gabor Horvath von der Eötvös-Universität in Budapest, die 1.000 prähistorische und moderne Abbildungen laufender Vierbeiner - darunter Pferde, Elefanten und Stiere - analysiert haben. Die Höhlenmalereien früher Menschen hatten demnach im Schnitt die geringsten Fehlerraten bei der Stellung der Gliedmaßen.

Die Bewegung der meisten Vierbeiner folgt einem bestimmten Ablauf: Zuerst wird das Bein links hinten aufgesetzt, dann links vorn, rechts hinten und zuletzt rechts vorn. Dieser Ablauf wird im Rhythmus je nach Tierart und Gang leicht variiert, berichtet Horvath. Erst 1887 wurde die Bewegung der Tiere exemplarisch analysiert, nach den schnell aufeinanderfolgenden Serienaufnahmen des britischen Fotopioniers Eadweard Muybridge.

Darstellungen auf wahre Bewegungsmuster untersucht
Horvath und seine Mitarbeiter untersuchten nun anhand von Bildern von Gemälden und Statuen, ob die Darstellung der Tiere in der Kunst wirklich ihrem wahren Bewegungsmuster entspricht. Dazu erstellten die Forscher ein Raster aller Kombinationen möglicher Bewegungsstadien der Vorder- und Hinterbeine einschließlich solcher, die in der Natur nicht vorkommen, da der Gang des Tiers dann instabil wäre.

Anschließend prüfte der Wissenschaftler, ob die scheinbare Bewegung der Abbildungen zu einem der Muster passte. Dieser Vergleich zeigte, dass in der Zeit vor Muybridge 83,5 Prozent der Darstellungen eine falsche Bewegung zeigten. Dieser Wert ist demnach sogar größer, als es bei reinem Zufall zu erwarten gewesen wäre (73,3 Prozent).

Selbst Pferdezeichnungen von Leonardo da Vinci zeigten Pferde in einem Stadium der Bewegung, das in Wirklichkeit nicht vorkomme, heißt es. Die moderneren Künstler in der Zeit nach Muybridge scheinen aus der wissenschaftlichen Analyse gelernt zu haben: Bei ihnen sinkt die Fehlerrate der Studie zufolge auf durchschnittlich 57,9 Prozent.

Prähistorische Künstler malten am genauesten
Erstaunlicherweise sei diese Genauigkeit von prähistorischen Künstlern noch weit übertroffen worden, berichtet Horvath. Die Höhlenmalereien von Menschen aus dem Jungpaläolithikum, der letzten Phase der Altsteinzeit, hatten demnach eine Fehlerrate von nur 46,2 Prozent. Dies zeige, dass die Menschen der Steinzeit erstaunlich gute Beobachter waren, schrieben die Wissenschaftler.

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