Mo, 25. Juni 2018

Behörden greifen ein

04.12.2012 17:00

Abergläubische Russen in Panik vor der Apokalypse

Bei den traditionell stark abergläubischen Russen lösen Medienmeldungen über den angeblich bevorstehenden Weltuntergang am 21. Dezember derzeit große Angst aus. Verschwörungstheoretiker fürchten für den Tag bekanntlich die Apokalypse, weil an ihm der Kalender der Maya endet. Angesichts von Hamsterkäufen, dem vermehrten Auftreten von Betrügern sowie einzelner Ausraster panischer Bürger sehen sich die russischen Behörden gezwungen einzugreifen, um den Spuk ein Ende zu setzen.

Sogar die derzeit das Land heimsuchenden massiven Schneestürme samt eisigen Temperaturen müssen laut Medienberichten für viele Menschen als Omen für die befürchtete Katastrophe herhalten. Andere wiederum sehen den am 29. November erfolgten ersten Ausbruch des Vulkans Tolbatschik auf der Kamtschatka-Halbinsel seit Jahrzehnten (Bild) als Vorzeichen für den unausweichlichen Untergang der Welt.

Massive Hamsterkäufe wegen Apokalypse-Zeitungsartikel
In der südöstlich von Moskau gelegenen Kleinstadt Omutninsk etwa kauften die Einwohner nach einem entsprechenden Bericht in der Lokalzeitung über "konjez sweta", wie der Weltuntergang auf Russisch heißt, in Panik sämtliche Geschäfte leer. Die Redakteure hatten schlicht vergessen, den Artikel als Scherz zu kennzeichnen.

Mann prügelte in Panik vier Menschen krankenhausreif
Kaum ein Tag vergeht, an dem Zeitungen, Radio- und Fernsehsender nicht über neue Gerüchte zum Weltuntergang berichten. Nach offiziellen Angaben vom Dienstag wurde ein 19-jähriger Mann in der Stadt Dolgoprudny im Westen des Landes dadurch so stark verwirrt, dass er in Panik vier Menschen mit einer Hantel krankenhausreif schlug - ein dreijähriges Kind liegt seither im Koma.

Hochsaison für selbst ernannte Magier und Hellseher
Angesichts solcher Meldungen forderten die russischen Parlamentarier in einer gemeinsamen Aktion die Medien mit Nachdruck dazu auf, "verantwortungsvoller" mit den Ängsten der Menschen umzugehen. Außerdem warnten die Abgeordneten die Bevölkerung, dass derzeit Tausende Betrüger wie selbst ernannte Magier und Hellseher das populäre Thema nutzen und vertrauensselige Menschen abzocken würden.

"Notfallsets" und – noch – freie Plätze in Bunkern
In der Tat machen findige Geschäftsleute mit der grassierenden Weltuntergangsangst bereits satte Profite. So bietet in der sibirischen Großstadt Tomsk ein Unternehmen spezielle "Notfallsets" an, die reißenden Absatz finden. Für umgerechnet 22 Euro gibt es haltbare Lebensmittel, Kerzen, Streichhölzer und Seife, aber auch Spielanweisungen. Zudem erfreuen sich noch zu ergatternde Plätze in ehemaligen Sowjetbunkern großer Beliebtheit.

Zivilschutzminister appelliert an die Bürger
Die Stimmungsmache hat mittlerweile solche Ausmaße erreicht, dass sich sogar die Regierung zu einer Stellungnahme genötigt sah. Er habe "eindeutige Informationen" vorliegen, nach denen die Apokalypse nicht am 21. Dezember eintreten werde, verkündete Zivilschutzminister Wladimir Putschkow. "Es ist absolut bewiesen, dass globale Katastrophen nur im Abstand von etwa zehn bis 15 Millionen Jahren geschehen", versuchte er die Bürger zu beruhigen. Die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" brachte die Mitteilung sogar auf ihrer Titelseite.

Kirche: "Sicher noch nicht so weit"
Auch die einflussreiche orthodoxe Kirche meldete sich zu Wort. "Das Ende der Welt wird natürlich kommen, und das kann zu jedem beliebigen Moment geschehen", sagte der einflussreiche Geistliche Wsewolod Tschaplin - aber seiner Meinung nach sei es am 21. Dezember "sicher noch nicht so weit", schob er zur Sicherheit gleich hinterher.

Auch ironische Kommentare
Andere Behördenvertreter versuchen hingegen mit Ironie, die Menschen zu beruhigen. "In einigen Regionen hat das Ende der Welt bereits begonnen - in Städten wie Murmansk oder Norilsk gibt es keine einzige Minute Tageslicht", sagte etwa Roman Wilfand, der Leiter des Wetterdienstes in Moskau. Dieses Phänomen gebe es nördlich des Polarkreises aber in jedem Jahr. "In Norilsk ist der Weltuntergang nach unseren Berechnungen am 11. Jänner vorbei - dann gibt es wieder Licht."

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