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Testphase

31.01.2003 08:48

Minisender soll Schiedsrichtern helfen

War es nun ein Tor oder nicht? Jahrelange Diskussionen erhitzter Fußball-Gemüter wie etwa über das berühmte Wembley-Tor beim WM-Endspiel 1966 zwischen England und Deutschland sollen nach der Vorstellung von Ingenieuren aus dem deutschen Erlangen bald der Vergangenheit angehören:
Hochfrequenztechniker des Fraunhofer- Institutsfür Integrierte Schaltungen (IIS) haben einen Minisenderentwickelt, der den Schiedsrichtern in Bruchteilen von Sekundendie genauen Positionen von Ball und Spielern mitteilen kann. Nunsoll die Anlage im Nürnberger Franken-Stadion auf ihre Praxistauglichkeitgetestet werden.
 
Kernstück des neuen Positionsbestimmungs-Systemssind winzige Mikrowellensender, die im Ball und in den Schienbeinschonernder Kicker angebracht werden. Außerdem müssen achtbis zehn Antennen am Spielfeldrand aufgestellt werden. Die damitempfangenen Signale werden sofort über Glasfaserkabel aneinen zentralen Computer übermittelt, der die Signallaufzeitenanalysiert und so die Positionen der Spieler und des Balles aufden Zentimeter genau berechnet. "Viel schneller und exakter alsbeim umstrittenen Fernsehbeweis kann der Schiedsrichter auf einerSpezialarmbanduhr Begriffe wie Tor, Abseits oder Aus lesen", erläutertProjektleiterin Sylvia Couronné vom ISS. Jede Szene einesFußballspiels lasse sich mit diesem System rekonstruieren.
 
Rund 7,5 Millionen Euro wurden bislang in die Entwicklungdes Positionsbestimmungs-Systems investiert, an dem auch die KarlsruherCairos Technologies AG und Sportwissenschaftler der TechnischenUniversität (TU) München mitgearbeitet haben. Die Ausstattungeines Stadions soll nach Angaben von Cairos-Chef Hanno Reinertrund 250.000 Euro kosten. "Die Technik kann in allen Ballsportarteneingesetzt werden." Das System soll nicht nur Fehlentscheidungenvorbeugen. Auch Zusatzinformationen für Zuschauer und Trainersollen damit abrufbar sein.
 
Die Erlanger Tüftler hoffen, dass ihre Erfindungschon bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschlandeingesetzt wird. Immerhin stößt die High-Tech-Anlagein Fachkreisen auf großes Interesse. "Für mich istdas nur als Entscheidungshilfe in der Frage Tor oder nicht Tordenkenswert", sagt DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegel.Das entspreche auch den Bestimmungen der Internationalen Fußball-Verbandes.Eine technische Lösung der Abseitsfrage werde dagegen vonden Schiedsrichtern derzeit nicht diskutiert.
 
Der Schweizer FIFA-Schiedsrichter Urs Meier, derbei der WM 2002 in Asien das Halbfinale Deutschland-Südkoreapfiff, äußert sich durchweg positiv über das System."Gerade in einer Zeit, in der sich der Fußball in der Schnelligkeitund Genauigkeit rasant weiter entwickelt, wird der Job immer anspruchsvoller."Wenn die Technik ausgereift sei und zu 100 Prozent funktioniere,solle sie auch eingesetzt werden.
 
Ob der "gläserne Fußball" nun eingesetztwird oder nicht, "entscheiden soll weiterhin der Unparteiische,nicht das System", betont Sylvia Couronné. Reinert ergänzt:"Tatsachenentscheidungen werden nicht angetastet." So soll esauch weiter dem Schiedsrichter überlassen bleiben, wann erzur Pfeife greift oder weiterspielen lässt.

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