So, 19. August 2018

5 koreanische Worte

31.10.2012 18:00

Asiatischer Elefant ahmt menschliche Sprache nach

"Hallo", "setz dich", "nein", "leg dich hin" und "gut" - aus den fünf koreanischen Wörtern dafür besteht der zwar nicht sehr umfangreiche, aber trotzdem aufsehenerregende Wortschatz des in einem südkoreanischen Zoo lebenden Asiatischen Elefanten "Koshik". Ein Forscherteam mit starker österreichischer Beteiligung hat das ungewöhnliche Imitationsverhalten nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Um die menschlichen Äußerungen so authentisch nachzuahmen, muss Koshik (Bild) seine Möglichkeiten zur Lautbildung erweitern, indem er seinen Rüssel in die Mundhöhle steckt. Das Verhalten des Elefanten dürfte vor allem soziale Zwecke erfüllen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Current Biology".

Mehrfach Hinweise auf derartiges Verhalten
Elefanten sind eigentlich für ihre tieffrequenten Infraschalllaute bekannt, die von Menschen teilweise nicht wahrgenommen werden können. Anekdotische Hinweise auf derartiges Verhalten gebe es jedoch bereits einige, so Angela Stöger-Horwath (Bild) vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien. "Dieser Fall addiert sich natürlich zu anderen Ergebnissen, wo zum Beispiel Afrikanische Elefanten Lkw-Geräusche imitiert haben."

Der wissenschaftliche Reiz, dieses Verhalten im Rahmen einer Fallstudie zu untersuchen, liege darin, "dass es sich hier um eine sehr komplexe Form von vokaler Imitation handelt". Das zeige, dass die Tiere, im Gegensatz zu Hunden, prinzipiell dazu fähig seien, "auch wenn das natürlich nicht jeder Elefant in dieser Situation tun würde".

Tier suchte sozialen Anschluss
Von Tieren wie Koshik könne man viel darüber lernen, welche physiologischen, neurologischen, genetischen und sozialen Voraussetzungen für so ein Verhalten gegeben sein müssen. In diesem Fall zeige sich der soziale Aspekt deutlich. Der Elefant war nämlich in seiner Adoleszenz für mehrere Jahre der einzige seiner Art in dem Zoo und die Pfleger seine einzigen Bezugspersonen. "Wir vermuten, dass die lange Isolation in dem auch für die soziale Entwicklung bei Elefanten sehr wichtigen 'Teenageralter' eine Rolle spielte", so Stöger-Horwath.

Der Kehlkopf von Elefanten ist prinzipiell ähnlich aufgebaut wie der menschliche, wenn auch viel größer - daher ihr Talent zum tiefen Bass. "Da ist es schon eine große Leistung, dass er die Tonhöhe der Pfleger so genau trifft." Um die Vokale zu bilden, verstärke er genau die richtigen Frequenzbereiche des Sprachspektrums. Er ahme also auch die Klangfarbe sehr genau nach.

Um die Klangfarbe zu modulieren, verwenden Menschen die speziell dafür geformten Lippen. Koshik behilft sich in Abwesenheit dieser, indem er seinen Rüssel in den Mund steckt und ihn dort bewegt. "Was er dann genau macht, wissen wir leider nicht", so Stöger-Horwath.

Wie gut er "annyong" (hallo), "anja" (setz dich), "aniya" (nein), "nuo" (leg dich hin) und "choah" (gut) ausspricht, haben die Bioakustikerin und der Leiter des Departments für Kognitionsbiologie, Tecumseh Fitch, genau untersucht. "Zunächst wurden Koshiks Imitationen Koreanern vorgespielt, die diese mündlich und schriftlich zu beschreiben hatten. Wir waren über die relativ hohe Übereinstimmung der Beschreibungen - sowohl was die Bedeutung als auch die Schreibweise der Laute betraf - wirklich überrascht", sagt Stöger-Horwath.

Elefant kennt Bedeutung der Worte nicht
Nach Einschätzung der Forscher kennt Koshik die Wortbedeutungen allerdings nicht. "Er hat natürlich einmal gelernt, dass er sich bei 'nuo' hinlegen soll, das menschliche Sprachverständnis hat er aber nicht." Er kombiniere zum Beispiel keine zwei Worte miteinander. Das Verhalten habe vor allem die Funktion, mit den Pflegern in sozialen Kontakt zu treten, nicht, sie etwa dazu zu bringen, sich tatsächlich hinzulegen, so die Wissenschaftler.

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