So, 16. Dezember 2018

Studenten-Rock

30.10.2012 10:36

The Gaslight Anthem mit feuriger Gasometer-Show

Knallige Songs, bratende Gitarren und eine eindringliche Stimme - The Gaslight Anthem sind die Rädelsführer des American Rock. Als solche sorgten Brian Fallon und Co. am Montagabend auch im Wiener Gasometer für Begeisterung.

Den "Boss" als Einfluss für das eigene musikalische Schaffen zu nennen, gehört als ordentliche Rockband aus den USA zum guten Ton. Doch wenn sich die Durchstarter von The Gaslight Anthem auf Bruce Springsteen berufen, dann mag man ihnen das nur zu gerne glauben. Der Jersey-Rock verbindet eben. So auch im Wiener Gasometer, wo das Quintett (bei Liveauftritten vertraut die Band auf einen zusätzlichen, dritten Gitarristen) die Musik und nicht das Drumherum sprechen lässt. Perfekt aufeinander eingespielt und mit verhaltener, aber keinesfalls schüchterner Haltung zum Publikum, zelebriert sich die Band selbst als nette Meute von nebenan. Keine große Gesten und keine Starallüren. Auf der Bühne sind weder Pomp noch Prunk zu sehen.

Bodenständigkeit
Das Bühnenlicht besteht die meiste Zeit aus gediegenen kalten Farben, für die Wärme sind die teils bluesigen, teils nachdenklichen, aber meist doch gerade nach vor rockenden Songs der Band zuständig, mit denen sie sich irgendwo zwischen Bruce Springsteen, Weezer und Nirvana bettet. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass man von Letztgenannten keinen Tophit, sondern das vergleichsweise unbekannte "Sliver" covert. The Gaslight Anthem erfahren derzeit ungeheure Popularität, geben aber immer wieder das Gefühl, dass man selbst gerne etwas kleiner sein würde.

Den Schmäh verliert Frontmann Brian Fallon aber trotz stoischer Bescheidenheit nicht: "Ihr seid klüger als wir, denn wir sind Amerikaner." Dennoch – Fallon und seine Mitstreiter verzichten bewusst auf große Gesten. Ihre Sprache sind die Instrumente und aus diesen springen – mit beneidenswerter Leichtigkeit - Studenten-Rock-Hymnen wie "Handwritten", "Mulholland Drive" oder "The Backseat". Dabei geben sich die Amerikaner so sympathisch, dass sie selbst die ungeschriebenen Gesetze der Rockkonzerte aushebeln. Jubelnde und fotografierende Männer auf den Schultern ihrer Freunde können getrost als Rarität verbucht werden.

Das Feuer entfacht
Nach den eher verhaltenen Reaktionen auf die bemüht agierende Support-Band Blood Red Shoes wirkt die plötzliche Begeisterung im Gasometer noch pompöser. Das geht sogar so weit, dass Fallon den allerletzten Song "Great Expectations" ein zweites Mal intonieren muss. Grund dafür ist ein in den ersten Reihen entzündeter Feuerwerkskörper, der die Musiker anfangs zwar erschreckt, sie dann aber doch zu einem schmunzelnd hervorgebrachten "das ist irgend so ein italienisches Fußballzeug" animiert. Die Erfolgsformel Gaslight Anthem funktioniert jedenfalls – viel Rock, etwas Indie, weniger Punk und eine kleine Prise Rebellion. Das ging früher schon bei Weezer gut.

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