Mo, 20. August 2018

Lichtreflexe

23.10.2012 12:45

Temposünder oder nicht? Messungen in der Diskussion

In Deutschland geht die Diskussion um ein eventuelles Zu-schnell-Fahren von Torwart-Titan Olli Kahn und damit um eine angeblich falsche Messung seiner Fahrgeschwindigkeit in die nächste Runde. Eigentlich in die Verlängerung, denn das Verfahren wurde gerade eingestellt. Bleibt die Frage: Hat das Gerät falsch gemessen? Vermutlich nicht. Das Verfahren gegen Kahn wurde jetzt trotzdem eingestellt.

Gerast sei er, besagt die Messung auf der A8 zwischen München und Salzburg bei Bernau, die Oliver Kahn in seinem AMG-Mercedes im Herbst 2009 satte 163 statt 80 km/h bescheinigte. Stimmt nicht, sagte der, und tatsächlich bestätigten einige Gutachter laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass ein "vorauseilender Lichtreflex" eine Falschmessung verursacht habe. Damit ist nicht etwa die Lichthupe gemeint, sondern ein Sonnenstrahl, der das Gerät irritiert haben soll. Es soll also ein Lichtreflex statt des Autos gemessen worden sein (Messungen erfolgen aufgrund von Helligkeitsänderungen). Ein Gutachten stützt sich darauf, dass sich etwa 40 gemessene Autos auf den Beweisfotos an unterschiedlichen Stellen befinden, und das weise auf unkorrekte Messungen hin.

Ein gerade erst veröffentlichtes aktuelles Dekra-Gutachten bescheinigt dem Messgerät namens ES 1.0 vom deutschen Hersteller ESO GmbH jedoch, dass es generell keine Falschmessungen zulässt. Warum Kahn trotzdem mit seiner Version durchgekommen ist? Das liege an der Aufnahmetechnik des Beweisfotos, sagt ESO-Geschäftsführer Christoph Münz im Gespräch mit krone.at. Es handle sich um ein veraltetes Gerät, das seit 2006 nicht mehr verkauft wird und im Nassfilmverfahren aufnimmt. Heutige Geräte speichern Bilder digital, so lasse sich im Einzelnen viel mehr nachvollziehen, was passiert ist. Gemessen werde auf einer Strecke von fünf Metern, ein kurzer Lichtreflex könne also nicht zu einer Fehlmessung führen, weil Ungereimtheiten auffallen würden. Auch die möglicherweise unterschiedlichen Fotopunkte seien sogar in der Gebrauchsanweisung dokumentiert, so Münz. Doch der tatsächliche Beweis sei mit dem Analogbild nicht in jedem Fall zu erbringen.

In Deutschland sind noch vereinzelte Exemplare des ES 1.0 im Einsatz, hier kann sich im Einzelfall also ein Einspruch auszahlen, wenn man Kosten und Mühen nicht scheut (oder eine gute Rechtschutzversicherung hat). Österreich setzt generell auf Radartechnik, die ASFINAG hat aber ein ESO-Gerät für Referenzmessungen angeschafft. Wegen der außerordentlichen Zuverlässigkeit und Messgenauigkeit. "Wenn es die geringsten Zweifel gäbe, hätte weder Österreich und schon gar nicht die Schweiz unsere Technik im Einsatz", ist Münz überzeugt..

Und wir Autofahrer? Wir wissen in aller Regel im Fall des Falles, dass wir zu schnell waren. Aber probieren kann man es ja mal…

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