Mo, 17. Dezember 2018

Zu viele Unklarheiten

22.10.2012 12:52

Prozess um Mord vor 25 Jahren endet mit Freispruch

Ein nicht alltäglicher Mordprozess ist am Montag am Wiener Straflandesgericht mit einem ebenso nicht alltäglichen einstimmigen Freispruch über die Bühne gegangen. Angeklagt war ein heute 66 Jahre alter Mann, der am 16. März 1987 im Wiener Gürtel-Lokal "Café Orient" einen 31-Jährigen erschossen haben soll. Der Bluttat soll ein Streit um einen Hund vorausgegangen sein, der offenbar vom späteren Opfer misshandelt worden war.

Der Angeklagte Harald K., der seit März 2012 in Untersuchungshaft sitzt, präsentierte sich in einem nicht allzu guten gesundheitlichen Zustand. Schwerhörig und am Stock gehend, gab der 66-Jährige an, seiner damaligen Frau die Tat zwar gestanden zu haben, jedoch nur deshalb, weil er der schweren Alkoholikerin einen Schock versetzen wollte, um sie "wachzurütteln". Von dem Vorfall habe er lediglich aus der Zeitung erfahren.

Unklarheiten erschweren Wahrheitsfindung
In der Folge traten etliche Personen in den Zeugenstand, die zum Tatzeitpunkt im Lokal waren, darunter auch der damalige Betreiber des "Café Orient". Den Streit im Lokal hätten sowohl er als auch viele Gäste mitbekommen, dass die beiden Kontrahenten auf die Straße gingen, ebenfalls. Spätestens dann tauchten einige Unklarheiten auf: Einige wollen einen, andere wiederum zwei Schüsse gehört haben.

Das Gesicht des Täters konnte keiner der Gäste erkennen, dazu sei es bereits zu finster gewesen. Nur ein Straßenbahnfahrer, der allerdings nicht vor Gericht erschien, gab seinerzeit zu Protokoll, die Tat beobachtet und den Mörder gesehen zu haben, der in seine Richtung geflüchtet war. Der heute 58-jährige Lokalbetreiber gab an, den Täter gemeinsam mit zwei weiteren Lokalgästen verfolgt zu haben, erst als dieser sie mit der Waffe bedrohte, habe man von ihm abgelassen.

Geständnis an Gattin als "Schocktherapie"?
Der gelassen, teilweise sogar abwesend wirkende Angeklagte verlor nur einmal kurz die Fassung, als seine Ex-Frau den Zeugenstand betrat. Mit ihr, so der 66-Jährige, habe er versucht, auf den rechten Weg zurückzufinden. "Wir sind beide in einem Heim für schwer erziehbare Kinder aufgewachsen, niemand von uns hat es leicht gehabt." Doch exzessiver Alkoholkonsum setzte dem Eheglück schon nach rund einem Jahr ein jähes Ende. In dieser Zeit habe er ihr öfter gedroht, ihr etwas anzutun, quasi als "Schocktherapie".

"Du, wenn du weiter so saufst, geht's dir so wie dem, weil den hab' i erschossen", soll der Grazer gesagt haben. Das erzählte die 51-Jährige dann später tatsächlich herum und brachte ihn so erst in die Bredouille. Als dann auch noch die Tatwaffe auftauchte, die K. von einem früheren Arbeitgeber geschenkt bekommen hatte, geriet der 66-Jährige ins Visier der Ermittler. "Schießen habe ich nie leiden können, das ist laut und stinkt fürchterlich. Ich wollte die Waffe nur so schnell wie möglich weiterverkaufen." Was ihm seiner Aussage zufolge auch gelang - an einen namentlich Unbekannten am Westbahnhof.

Mord bleibt also weiterhin ungeklärt
Fazit: 25 Jahre und viel Alkohol förderten keine entscheidenden neuen Erkenntnisse zutage. Richterin Martina Krainz zeigte sich angesichts der enormen Zeitspanne auch nicht übermäßig ungehalten über die Erinnerungslücken der Zeugen. Dass die Geschworenen nach nur einer Dreiviertelstunde mit acht zu null Stimmen auf Freispruch entschieden, sorgte selbst beim Angeklagten lediglich für ein freundliches Kopfnicken.

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