So, 21. Oktober 2018

Will weg aus Spital

19.10.2012 19:08

Timoschenko ortet heimliche Video-Überwachung

Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat in einem offenen Brief Präsident Viktor Janukowitsch am Freitag vorgeworfen, sie heimlich in ihrem Krankenhauszimmer filmen zu lassen. Versteckte Kameras würden sie sogar in der Dusche, auf der Toilette und vor ärztlichen Untersuchungen in der Umkleidekabine aufzeichnen. Die Politikerin deutete auch an, Janukowitsch würde sich die Aufnahmen regelmäßig anschauen.

Sie lehne eine weitere Behandlung im Krankenhaus ab und wolle zurück ins Gefängnis, las Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko aus dem an den Staatschef adressierten Brief vor. Laut dem Juristen sei seine Mandantin einer "unmenschlichen und absolut grausamen" Dauerüberwachung per Videokameras ausgesetzt. Die nunmehrigen Vorwürfe der 51-Jährigen könnten vor der Parlamentswahl in der Ukraine am 28. Oktober die gespannte Stimmung in der Ex-Sowjetrepublik weiter anheizen.

Video auf YouTube aufgetaucht
Vor kurzem war auf YouTube ein Video erschienen, das eine Timoschenko ähnelnde Frau mit Rollator im Krankenhauszimmer zeigt. Die Politikerin bestätigte in ihrem Brief, dass es sich um Aufnahmen von ihr handle. Die Gefängnisbehörde erklärte hierzu, es gebe lediglich eine Echtzeitüberwachung, es würden aber keine Aufzeichnungen gemacht. Der Urheber der Veröffentlichung solle demnach nun ermittelt werden.

Timoschenko sitzt derzeit wegen Amtsmissbrauchs während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin eine siebenjährige Haftstrafe ab. Das Urteil war international als politisch motiviert kritisiert worden. Ende August hatte das oberste ukrainische Berufungsgericht das Urteil gegen sie bestätigt. Die Politikerin wird in einem Militärkrankenhaus der ostukrainischen Stadt Charkiw wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt.

"Nachts habe ich Angst um mein Land"
Indes will Timoschenko weiter für einen Verbleib ihres Landes in der "europäischen Familie" kämpfen. Sie habe "Angst" um die Ukraine und hoffe auf die Unterstützung der europäischen Christdemokraten, schrieb Timoschenko in einem weiteren Brief, den der Präsident der Europäischen Volkspartei (EVP), Wilfried Martens, am Donnerstag beim EVP-Parteitag in Bukarest verlas.

Jeden Abend freue sie sich, noch einen Tag überlebt zu haben, schrieb Timoschenko. "Nachts aber beginne ich Angst zu haben, nicht um mich, sondern um mein Land." Bei dem Parteitag der EVP war auch Timoschenkos Tochter Jewgenia zugegen.

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